Treibstoffmangel als mögliche Ursache für Absturz genannt

KOLUMBIEN ⋅ Tragödie auf dem Weg zum Finale: Beim Absturz eines Flugzeugs in Kolumbien sind mindestens 75 Menschen gestorben, darunter viele Spieler des brasilianischen Fussballteams AF Chapecoense. Nach Angaben der Luftfahrtbehörde überlebten sechs Menschen das Unglück.

Aktualisiert: 
29.11.2016, 18:00
29. November 2016, 07:02

Zunächst war von 76 Toten die Rede gewesen. Bei den Überlebenden soll es sich um die Spieler Neto, Alan Ruschel und Jakson Follmann sowie einen Journalisten und zwei Crew-Mitglieder handeln. Ein Torwart starb auf dem Weg ins Spital.

Die in der höchsten brasilianischen Liga spielende Mannschaft sollte in Medellín das Final-Hinspiel der Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional Medellín bestreiten. Die Copa Sudamericana ist nach der Copa Libertadores der zweitwichtigste Fussball-Clubwettbewerb in Südamerika.

Das Flugzeug mit 81 Menschen an Bord - 72 Passagiere sowie neun Besatzungsmitglieder - stürzte im Nordwesten Kolumbiens ab. Nach einem Flug von São Paulo nach Santa Cruz de la Sierra in Bolivien war die vom Club gecharterte Maschine dort in Richtung Medellín gestartet. An Bord waren auch rund 20 Journalisten, die über das Spiel berichten wollten. Neun Spieler waren nicht zum Finale mitgereist.

Polizisten seien als erste zu der schwer zugänglichen Unglücksstelle gelangt, teilte die Luftfahrtbehörde mit. Die Gegend sei wegen Nebels nur auf dem Landweg zu erreichen, nicht aus der Luft.

Treibstoffmangel mögliche Ursache

Ein Grund für den Absturz könnte Treibstoffmangel gewesen sein, erklärte der Direktor der kolumbianischen Luftfahrtbehörde, Alfredo Bocanegra. Die Piloten hätten wegen Problemen Landepriorität beantragt, bevor das Flugzeug gegen 22.00 Uhr (Ortszeit) am Montagabend vom Radar verschwunden sei.

Die Avro RJ85 der bolivianischen Charterfluggesellschaft Lamia war knapp 40 Kilometer von Medellín entfernt am Berg El Gordo ("Der Dicke") abgestürzt. Beim Absturz trennten nur noch zwei Hügel das Flugzeug von der Landebahn.

Die Delegation des Clubs Chapecoense bestieg das Flugzeug in Santa Cruz de la Sierra, weil die brasilianischen Luftfahrtbehörden einen Charterflug der bolivianischen Airline Lamia direkt von Brasilien nach Kolumbien nicht zugelassen hatten.

Das Fussballteam flog deshalb per Linienflug von São Paulo aus, wo es am Sonntag in einem Spiel der brasilianischen Liga gegen Palmeiras angetreten war, nach Santa Cruz. Die Entfernung auf Luftlinie zwischen Santa Cruz und Medellín beträgt 3015 Kilometer. Die Reichweite der Maschinen vom Typ RJ85 liegt bei rund 3000 Kilometern.

Die bolivianische Luftfahrtbehörde betonte, das Flugzeug sei in einem einwandfreien Zustand gewesen. Mehrere Fussballteams in Südamerika sind zuletzt mit der Unglücksmaschine geflogen.

Finale abgesagt

Der brasilianische Staatspräsident Michel Temer ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. "Ich möchte in dieser traurigen Stunde, die die Tragödie für Dutzende Familien bedeutet, mein Mitgefühl aussprechen", teilte Temer mit. Man werde alles mögliche tun, um den betroffenen Familien zu helfen.

Der südamerikanische Fussballverband sagte das Finale ab und setzte bis auf weiteres alle Spiele aus. Der brasilianische Verband setzte die letzte Meisterschaftsrunde wegen einer siebentägigen "internen" Trauerphase auf Sonntag, 11. Dezember, an. Auch das Final-Rückspiel im nationalen Cup wurde verschoben.

In der Fussballszene löste das Unglück grosse Anteilnahme aus. Der kleine Fussballclub aus Chapeco war erst 2014 in die oberste Liga Brasiliens aufgestiegen. Nun hatte er erstmals den Einzug in das Finale eines grossen Wettbewerbs in Südamerika geschafft.

Der Absturz weckte Erinnerungen an das Flugzeugunglück von München im Jahr 1958, bei dem die Mannschaft von Manchester United auf dem Rückweg von einem Europapokal-Spiel an Bord war. 23 Menschen kamen damals um, darunter acht Spieler des englischen Traditionsvereins.

 
 (sda)

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