Frost bereitet Obstbauern schlaflose Nächte

WETTER ⋅ In weiten Teilen der Schweiz sind die Temperaturen in der Nacht auf Mittwoch unter die Null-Grad-Grenze gerutscht. Auch die kommenden zwei Nächte werden frostig. Für Obst-, Gemüse- und Weinbauern ist die Lage kritisch.
Aktualisiert: 
19.04.2017, 15:00
19. April 2017, 10:52

In der Nacht auf Mittwoch ist es nochmals richtig kalt geworden. Vor allem im westlichen Mittelland sanken die Temperaturen selbst in den tiefen Lagen teilweise unter null Grad.

Aussergewöhnlich sind Frostnächte um diese Jahreszeit nicht, wie Daniel Maurer von MeteoSchweiz auf Anfrage sagte. Weil die Temperaturen jedoch bereits im April teilweise auf sommerliche Werte kletterten, ist der Kälteeinbruch für viele stärker spürbar.

Besonders kalt wurde es im westlichen Mittelland und im Zentralwallis. In diesen Gebieten war die Nacht praktisch unbewölkt. Deshalb sanken die Temperaturen selbst in den tiefen Lagen mehrheitlich auf -1 bis -4 Grad. Zum Beispiel in Bern und Visp wurden zwei Meter über Boden Tiefstwerte von -2,7 Grad und -4,2 Grad gemessen.

Ausnahme war die Genferseeregion. Dank der Bise hielten sich die Temperaturen über der Null-Grad-Grenze. Auch im Tessin war es dank Nordwind warm. So zeigte das Thermometer in Lugano und Locarno auch in der Nacht noch 6 Grad an.

Obst, Gemüse und Reben sind gefährdet

Im Flachland bildete sich vergangene Nacht auch Bodenfrost. In Bern und Visp wurden auf 5 Zentimeter über Boden -6,4 und -8,5 Grad gemessen. Und es wird noch kälter. Weil der Wind abstellt, fallen die Temperaturen in den kommenden zwei Nächten noch deutlicher unter Null. MeteoSchweiz werde deshalb eine Bodenfrostwarnung herausgeben, sagte der Experte.

Besonders für Obst-, Gemüse- und Weinbauern bringt der Temperatursturz schlaflose Nächte. Die Kulturen seien bereits weit fortgeschritten, sagte Georg Bregy vom Schweizer Obstverband auf Anfrage. Sobald die Temperaturen unter null Grad sänken, sei Obst gefährdet. Für sämtliche Arten würden derzeit Frostbekämpfungsmassnahmen vorbereitet.

Auch Reben seien in einem empfindlichen Stadium, sagte Hans Rüssli vom Schweizerischen Bauernverband. Je nach Region müssten sich die Bauern nun entsprechend vorbereiten. In den Seeregionen sei es zum Beispiel etwas wärmer, da Gewässer als Wärmespeicher dienten.

Kälteschutzmassnahmen

Doch die Bauern sind der Kälte nicht gänzlich ausgeliefert. So gibt es verschiedene Vorkehrungen, um das Obst, das Gemüse oder die Reben vor Frost zu schützen. Das Gemüse werde zum Beispiel überwiegend mit Fliess abgedeckt oder mit einem Kleintunnel geschützt - wie etwa bei Erdbeeren, sagte Rüssli.

Bei Obstkulturen oder beim Weinbau setzen die Bauern Ventilatoren oder Paraffinkerzen ein. Wenn die Luft bewegt werde, könne sich Frost nicht oder weniger stark festsetzen, erklärte Rüssli. Verbreitet sei auch das Bewässern der Baumkronen. Dadurch entstehe um die Äste ein Eispanzer. Unter diesem Eispanzer werde es nicht kälter als -1 Grad. Dies werde zum Beispiel im Wallis bei den Aprikosenanlagen so gehandhabt.

Selbst wenn ein Teil der Blüten abfriere, sei das noch nicht tragisch, relativierte Rüssli. Die Natur produziere Blüten im Übermass. Bereits im vergangenen Jahr war die Schweiz im April von starkem Frost betroffen. Dennoch sei die Obsternte im Herbst gut ausgefallen. (sda)

So schützen Sie Ihre Pflanzen

Obstbäume: Grundsätzlich gilt, dass die meisten Blüten von Obstbäumen bei Temperaturen unter etwa -2 Grad erfrieren, allerdings ist die Frosthärte je nach Baum und Sorte etwas verschieden. Bei den erwarteten Temperaturen bis -5 Grad besteht auf jeden Fall die Gefahr von grösseren Schäden bis Totalausfällen der Ernte. Schützen kann man kleine Obstbäume am besten mit einem Fliess, das über den Baum gestülpt wird. Für Obstbaumkulturen bietet sich die Beregnung an, durch das Gefrieren des Wassers bei Temperaturen unter 0 Grad wird dabei Wärme frei, sodass die Temperatur nicht unter -0,5 Grad sinkt und damit keine Erfrierungen der Blüten auftreten. Auch Feuer in den Obstgärten können helfen, die Schäden zu dezimieren oder zu verhindern.

Reben: Diese haben je nach Sorte schon ausgetrieben, die jungen Triebe erfrieren dabei bei Temperaturen unter etwa -1 Grad. Bei tieferen Temperaturen droht ein Totalverlust der Ernte. Die erwarteten Temperaturen liegen in den kommenden beiden Nächten teils deutlich unter dieser Schadensgrenze, sodass Schutzmassnahmen durchgeführt werden sollten. Hier bieten sich Frostkerzen an, die allerdings momentan nicht mehr erhältlich sind. Alternativ dazu kommen Feuer in Frage, lokal werden auch Helikopter eingesetzt, die zu Luftverwirbelungen führen und damit den Frost mindern. Unter etwa -4 Grad haben aber auch diese Massnahmen nur wenig Aussicht auf Erfolg, mehr als 1 bis 3 Grad kann die Luft nicht erwärmt werden. -4 Grad in einzelnen Rebgebieten in den kommenden beiden Nächten liegen durchaus im Bereich des Möglichen.

Erdbeeren: Erdbeerblüten erfrieren bereits bei etwa -1 Grad. Als Bodenblüher sind sie in den nächsten beiden Nächten stark gefährdet, da die Temperaturen knapp über dem Boden noch etwas tiefer sind als auf 2 Metern über dem Boden, wo die offizielle Temperatur gemessen wird. Ohne Schutz werden die Erdbeerblüten damit vielerorts in den kommenden beiden Nächten erfrieren. Schützen kann man Erbeeren am besten mit einem Fliess, ob damit allerdings auch bei Temperaturen von -5 bis -3 Grad genügend Schutz entsteht, ist fraglich. Ein Fliess empfiehlt sich zudem auch für frostempfindliche Salate, Gemüse, Kräuter und Sommerblumen.

Topfpfanzen: Diese sollten an ein frostfreies Plätzchen gezügelt werden.

pd/mbo

Video: Drohende Ernteausfälle: So kämpfen die Bauern gegen den Frost

Minustemperaturen in der Nacht und Bodenfrost machen den Bauern grosse Sorgen. Mit Vliesdecken und Parafinkerzen kämpfen die Bauern gegen drohende Ernteausfällen wegen Frostschäden. Zwei Bauern aus dem Thurgau geben Einblick in ihren Kampf gegen die Kältewelle. (Detlev Munz / sda, 19. 04. 2017)

Video: Der Frost ist zurück

In weiten Teilen der Schweiz sind die Temperaturen in der Nacht auf Mittwoch unter die Null-Grad-Grenze gerutscht. Auch die kommenden zwei Nächte werden frostig. Impressionen aus Stans im Kanton Nidwalden und St. Margrethenberg im Kanton St. Gallen. (Stephan Mark/sda, 19. April 2017)



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