Haftstrafe für Fussballchaoten nach Schlägerei

ZÜRICH ⋅ In einer Schlägerei am Zürcher Bahnhof Enge hat ein 20-jähriger Fussballfan einem Mann mehrmals auf den Kopf gestampft, als dieser am Boden lag. Das Bezirksgericht verurteilte ihn wegen schwerer Körperverletzung und anderer Delikte zu einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten - fünf davon wird er absitzen müssen.

24. November 2016, 19:07
das Gericht verhängte am Donnerstag eine Strafe von 10 Monaten unbedingt und 18 Monaten bedingt. Fünf Monate, die der Mann in Untersuchungshaft verbrachte, werden ihm angerechnet. Ausserdem muss er ein Lernprogramm zum Umgang mit Gewalt, Drogen und Alkohol absolvieren.

Das Gericht blieb damit unter den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die 12 Monate unbedingt und 24 Monate bedingt gefordert hatte. In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter, für den Beschuldigten spreche, dass er geständig und einsichtig sei. Doch die Tritte gegen den Kopf des Opfers seien wuchtig gewesen.

Das Gericht ging von einer eventualvorsätzlichen schweren Körperverletzung aus. Die Tat sei grundlos erfolgt und der Streit aus einer Nichtigkeit entstanden. Zudem sei der Beschuldigte zum wehrlosen Opfer für die Stampftritte zurückgegangen, als die Schlägerei bereits vorbei gewesen sei. "Sie sind zu weit gegangen, das muss streng bestraft werden", sagte der Richter.

Ein Täter mit zwei Gesichtern

Der junge Mann ist ein Täter mit zwei Gesichern: Auf der einen Seite stehen die Taten, die von keinem bestritten werden. Der junge Bosnier, der in Zürich aufgewachsen ist, hat 2013 beim Heimspiel des FCZ gegen Luzern eine Leuchtsignalfackel im Fanblock entzündet. 2015 machte er dasselbe beim Auswärtsspiel in Basel. Dort warf er die Fackel auch noch auf das Spielfeld.

Anschliessend riss er Sitzschalen aus der Verankerung, stürmte zusammen mit anderen FCZ-Anhängern auf Fans des FC Basel los und versuchte sie mit Gegenständen zu bewerfen. Der Zürcher hat ein schweizweites Stadionverbot für zwei Jahre.

Der schwerste Vorfall ereignete sich jedoch abseits der Stadien. In den frühen Morgenstunden eines Samstags im März dieses Jahres zettelte der Beschuldigte zusammen mit drei Begleitern eine Schlägerei mit einer Gruppe Jugendlicher an. Er schlug einen der Jugendlichen zu Boden und stampfte wiederholt mit dem Fuss auf den Kopf des benommen am Boden Liegenden.

Auf der anderen Seite ist er ein junger Mann mit guten Umgangsformen, der in einem grossen Unternehmen eine Logistikerlehre absolviert hat, danach in der Firma bleiben konnte und immer pünktlich um 5:30 Uhr zur Arbeit erschien.

Kein Alkohol bis Neujahr

Seit jener Märznacht hat sich das Leben des jungen Mannes gewandelt. Fünf Monate lang sass er in Untersuchungshaft. Sein Arbeitgeber kündigte den Arbeitsvertrag, seinen zwanzigsten Geburtstag erlebte er hinter Gittern und seine Eltern sind sehr enttäuscht. Vor Gericht sagte er, die Haft habe ihn verändert.

Einen Tag vor der Verhandlung begann er mit einem Lernprogramm des Amts für Justizvollzug. Er gehe nicht mehr in den Ausgang und wolle sicher bis Neujahr keinen Alkohol trinken.

Der Richter fragte ihn, wie es zur Schlägerei am Bahnhof Enge gekommen sei. Der Beschuldigte sagt: "Ich war recht stark unter Alkoholeinfluss." In einem Club hatten die beiden Gruppen bereits eine verbale Auseinandersetzung gehabt. Später, vor dem Club, haben sich die Gruppen wieder getroffen.

"Er ist an mir vorbeigegangen", sagte der Beschuldigte über das Opfer, "und hat mich schräg angeschaut." Er habe sich dadurch provoziert gefühlt. Deshalb habe er den Jugendlichen verfolgt und eingeschüchtert. Schliesslich kam es zur Schlägerei.

Alkohol spielt für den jungen Mann nach eigener Aussage eine grosse Rolle. "Ohne Alkohol habe ich im Ausgang keinen Spass", sagte er. Angetrunken sei er offener und fröhlicher, aber auch reizbarer. Wenn einer seiner Kollegen in eine Schlägerei verwickelt sei, dann könne er nicht zuschauen und helfe ihm. Doch nun suche er einen Neuanfang, sagte er. (sda)


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