Heimleiter und seine Freundin erstochen

DOPPELTÖTUNGSDELIKT ⋅ Ein 48-jähriger Vater und sein 19-jähriger Sohn müssen sich Anfang Dezember im Kanton Bern vor Gericht wegen Mordes an einem Heimleiter und dessen Partnerin verantworten. Das Gewaltverbrechen in Spiez erschütterte im Mai 2013 das ganze Land.

02. Dezember 2016, 08:00

Ab kommendem Montag steht der Vater in Thun vor dem Regionalgericht. Ihm wird Mord vorgeworfen. Sein Sohn, der zur Tatzeit noch nicht volljährig war, wird sich ebenfalls im Dezember vor dem Jugendgericht verantworten müssen. Im Gegensatz zum Prozess in Thun wird die Verhandlung am Jugendgericht nicht öffentlich sein.

Dem Vater und seinem Sohn wird vorgeworfen, am 11. Mai den 53-jährigen Leiter der Pädagogischen Lebensgemeinschaft in Spiez und dessen Partnerin brutal mit Dutzenden Messerstichen umgebracht zu haben.

Der Sohn war im Sommer 2003 zusammen mit seinem Bruder einige Wochen in dem privaten Kleinheim untergebracht. Dort fühlte sich der Bursche aus seiner Sicht unangemessenen Bestrafungen und Demütigungen ausgesetzt. Laut Anklageschrift ging es darum, dass der Bub das Bett respektive die Hosen eingenässt hatte. Schon damals äusserte der Vater Morddrohungen gegenüber dem Heimleiter.

Rund zehn Jahre später schritten Vater und Sohn zur Tat. Beide seien entschlossen gewesen, den Heimleiter für die Vorfälle im Jahr 2003 zu bestrafen und zu töten, heisst es in der Anklageschrift.

Vater und Sohn klingelten am Tattag bei der Pädagogischen Lebensgemeinschaft an der Spiezer Bahnhofstrasse, wo ihnen eine 12-jährige Bewohnerin die Tür öffnete, die die Männer nicht kannte. Vater und Sohn erkundigten sich nach dem Heimleiter, betraten das Haus und stiegen in die Dachwohnung hoch, wo sie den Mann fanden. Mit einem Messer stachen sie auf ihn ein.

Unliebsame Zeugin beseitigt

Als die Partnerin des Heimleiters auftauchte, stachen die Männer auch auf sie ein, um sie als Zeugin zu beseitigen. Dem Heimleiter wurden über 60, der Frau über 50 Stich- und Schnittverletzungen zugefügt. Die neun Kinder in den unteren Stockwerken des Heims bekamen von der Tat nichts mit.

Die Täter entkamen und die Polizei tappte lange im Dunkeln. Für Hinweise wurde eine Belohnung ausgesetzt. Erst anderthalb Jahre nach der Tat wurden die mutmasslichen Täter gefasst.

Der Prozess gegen den Vater dauert mehrere Tage. Das erstinstanzliche Urteil des Regionalgerichts Thun wird für den 13. Dezember erwartet. (sda)


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