Lufthansa verletzte offenbar Meldepflicht

FLUGZEUGABSTURZ ⋅ An der Absturzstelle der Germanwings-Maschine ist ein Teil der Bergungsarbeiten eingestellt worden. Doch viele Fragen bleiben. Gab es Versäumnisse im Umgang mit dem Copiloten?

07. April 2015, 07:33
Die Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa trat Vorwürfen entgegen, sie habe ihre Informationspflichten gegenüber dem Luftfahrtbundesamt (LBA) verletzt. Die Airline reagierte auf einen Bericht der «Welt am Sonntag» (Wams), wonach ihr medizinischer Dienst das Bundesamt womöglich pflichtwidrig nicht über die abgeklungene schwere Depression des Copiloten informiert hatte.

«Lufthansa kommt ihren Informationspflichten gegenüber dem Luftfahrtbundesamt nach», erklärte das Unternehmen am Montag. Die Lufthansa wollte zunächst keine weiteren Erklärungen zu dem konkreten Fall abgeben. Die Airline wolle «den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nicht vorgreifen».

Das LBA bestätigte am Sonntag die Darstellung in der «Wams», wonach die Behörde bis zur Akteneinsicht beim Aeromedical Center der Lufthansa am 27. März - und damit nach der Katastrophe - «keinerlei Informationen über die medizinischen Hintergründe» hatte.

Mussten Ärzte das LBA informieren?

Der Copilot hatte den Germanwings-Airbus laut bisherigen Ermittlungsergebnissen am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf bewusst gegen einen Berg in Südfrankreich gesteuert, um sich das Leben zu nehmen. Dabei starben alle 150 Menschen an Bord.

Schnell wurde danach bekannt, dass der 27-jährige in der Vergangenheit wegen schwerer psychischer Probleme mit Suizidgefahr behandelt worden war. Der Pilot hatte die Lufthansa bereits im Jahr 2009 als Flugschüler über eine «abgeklungene schwere depressive Episode» informiert.

Laut «Wams» soll vieles dafür sprechen, dass die Lufthansa-Ärzte, die den Piloten in den Jahren von 2009 bis 2014 untersuchten, das LBA darüber hätten informieren müssen.

Flugmediziner müssten seit April 2013 bei schweren Krankheiten wie einer Depression den Fall an die Aufsichtsbehörde verweisen. Seit diesem Zeitpunkt habe es noch zwei Tauglichkeitsprüfungen gegeben - und zwar im Sommer 2013 und 2014, schrieb das Blatt.

2009 sei zusätzlich zum gewöhnlichen Test auch ein psychiatrisches Gutachten erstellt worden. Weitere derartige Gutachten seien aber nicht eingeholt worden. Der Pilot soll zuletzt unter anderem Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie konsultiert haben.

Laut der Zeitung gab es in der Lizenz des Copiloten zudem einen Vermerk, der vorschreibt, dass der untersuchende Arzt die lizenzvergebende Behörde kontaktieren muss. Das war aber offenbar nicht geschehen.

Viele Handys geborgen

Die Bergungsarbeiten an der Absturzstelle in den französischen Alpen konzentrieren sich inzwischen auf die Habseligkeiten der Opfer. Andere Arbeiten wurden weitgehend eingestellt. Polizei und Gendarmerie sicherten weiter die Absturzstelle.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Marseille wurden zahlreiche Handys gefunden. Die Auswertung der Daten ist aber wegen des Zustands der Telefone nicht gesichert. In Kürze soll damit begonnen werden, grosse Wrackteile von der Unglücksstelle abzutransportieren.

 (sda/afp)

Login


 

Anzeige: