Menschen hören Naturgeräusche immer weniger

MENSCHLICHES GEHÖR ⋅ An vielen Orten der Welt nimmt der Lärm ständig zu - sogar in den entlegensten US-Nationalparks, wie US-Forscher herausfanden. Das könnte dazu führen, dass viele Menschen Naturgeräusche wie etwa Vogelzwitschern bald nicht mehr wahrnehmen können.

17. Februar 2015, 13:59

"Diese antrainierte Taubheit ist ein wirkliches Problem", sagte Kurt Fristrup, Wissenschaftler bei der US-Parkbehörde, am Montag (Ortszeit) bei der Konferenz des weltgrössten Wissenschaftsverbands AAAS (American Association for the Advancement of Science) im kalifornischen San Jose.

"Wir konditionieren uns selbst so, dass wir die Informationen, die in unsere Ohren kommen, nicht mehr wahrnehmen. Dieses Geschenk, mit dem wir geboren sind - Dinge zu hören, die Hunderte Meter weit weg sind, all diese unglaublichen Geräusche - ist in Gefahr, verloren zu gehen", sagte Fristrup.

Kopfhörer

Einerseits übertöne der Lärmpegel beispielsweise durch Autos und Flugzeuge Naturgeräusche wie Vogelsingen und Wasserplätschern, sagte Fristrup. Andererseits verstärkten viele Menschen den Effekt noch zusätzlich, indem sie sehr häufig auch ausserhalb des Hauses über Kopfhörer Musik hörten. "Sogar in unseren Städten gibt es Vögel und Geräusche aus der Natur, die man geniessen kann. Aber das geht verloren."

Fristrup und sein Team untersuchten in den vergangenen zehn Jahren die Lärmbelastung an rund 600 Stellen in US-Nationalparks, darunter bei Touristen besonders beliebte Parks wie Yosemite und Yellowstone. An deutlich mehr als der Hälfte dieser Orte liege der durchschnittliche Lärmpegel beispielsweise aufgrund von Motorbooten und Flugzeugen um drei Dezibel höher als ohne diese von Menschen verursachten Geräusche.

"Es hat mich vor allem überrascht, dass es wirklich überall und ständig Flugzeug-Lärm gab, sogar an den entlegensten Orten", sagte Fristrup. Der Wissenschaftler und sein Team erwarten, dass sich diese Lärmbelastung in den kommenden 30 Jahren mehr als verdoppeln wird. (sda/dpa)


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