Neues Leben für PET-Flaschen

RECYCLING ⋅ PET-Flaschen können wiederverwertet werden – aus ihnen werden entweder neue Flaschen oder Textilfasern. Und aus den Textilfasern entstehen zum Beispiel Rucksäcke, Leggings und Zelte.
19. März 2017, 10:17

Jacqueline Schilling

Zum Glück heissen die PET-Flaschen PET-Flaschen. Müsste man beim Entsorgen nämlich fragen: Wo bitte ist die Sammelstelle für Polyethylen­terephthalat, es könnte einem verleiden. Polyethylenterephtalat ist ein Kunststoff und gehört zur Familie der Polyester. Es besteht ausschliesslich aus Erdöl und ist zu 100 Prozent recyclingfähig. Jetzt kommt ein «Aber»: PET kann nur wirklich gut wiederverwertet werden, wenn es rein ist. Rein bedeutet in diesem Fall: Nur aus PET-Flaschen lassen sich wieder PET-Flaschen machen. Sobald PET zusammen mit anderen Kunststoffen gesammelt wird, ist der geschlossene Flaschenkreislauf gefährdet. Das ist insofern ein bisschen verwirrend, als es nicht nur Flaschen gibt, die aus PET hergestellt werden, sondern beispielsweise auch Folien und andere Verpackungen. Und: Nicht alle Flaschen, die aus PET bestehen, dürfen in die PET-Sammlung. Öl- und Essigflaschen zum Beispiel gehören nicht in die PET-Sammelcontainer. In die offiziellen blau-gelben Sammelstellen kommen also nur PET-Getränkeflaschen mit dem Logo von «PET-Recycling Schweiz». Es ist quadratisch, zeigt links eine Flasche, rechts einen fast zum Kreis geschlossenen dicken Pfeil, darunter steht «PET».

Über 80 Prozent der PET-Flaschen im Recyclingkreislauf

Wir Schweizer gelten als Recyclingweltmeister. Wir sammeln Glas, Blech, Alu, Papier, Batterien und eben PET. Durchschnittlich beträgt die sogenannte Rücklaufquote 54 Prozent. Bei den PET-Flaschen sind es sogar mehr als 80 Prozent aller verkauften Getränkeflaschen, die gesammelt und wiederverwertet werden. Das ist mehr als in Ländern, die auf PET-Flaschen ein Pfand erheben. Insgesamt gibt es in der Schweiz mehr als 45 000 Sammelstellen. Dahinter steht PET-Recycling Schweiz. Dieser Verein sorgt auch dafür, dass die Flaschen eingesammelt und der Wiederverwertung zugeführt werden. So lässt sich nämlich Energie sparen: Macht man neue PET-Flaschen aus alten, braucht das nur halb so viel Energie, wie wenn man sie neu produziert. Drückt man die Flaschen vor dem Entsorgen zusammen, gibt’s auch noch die eine oder andere Fahrt weniger beim Einsammeln. PET-Flaschen lassen sich mehr als einmal wiederverwerten, und haben immer noch die gleichen Eigenschaften wie die ursprüngliche Flaschen.

Nicht aus jeder PET-Flasche wird eine neue. Aus einem Teil entstehen auch textile Fasern, die beispielsweise zu Sportkleidern, Zelten, Rucksäcken, Taschen oder Sofas verarbeitet werden. Übrigens: Auch wenn Essig- und Ölflaschen nicht zusammen mit den PET-Getränkeflaschen entsorgt werden sollen, muss man sie nicht in den Hauskehricht schmeissen. Denn auch Kunststoffflaschen können recycelt werden. Bei den Sammelstellen der Grossverteiler gehören sie samt Deckel ins Loch «Plastikflaschen» – zusammen mit Flaschen von Milchprodukten, Wasch- und Reinigungsmitteln, Shampoos, Duschmitteln, Seifen, Lotionen, Cremen, Saucen und Pflanzendüngern. Dieser Kunststoff ist weniger hochwertig und wird zu Kabelschutzrohren oder -abdeckungen. Das übrige PET-Material lässt sich gemäss Fachleuten (noch)nicht sinnvoll rezyklieren. Salat-, Fleisch oder Käseverpackungen beispielsweise bestehen aus mehreren Plastikarten, sogenannten Verbundstoffen. Landen sie im Sammelcontainer können sie zwar maschinell aussortiert, aber nicht in ihre ursprüngliche Form zurückgeführt werden und landen über einen Umweg ohnehin im Kehricht.


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