Prozess um gefälschte Giacometti-Skulptur

PROZESS ⋅ Wegen versuchten Betrugs mit einer gefälschten Skulptur des Schweizer Künstlers Alberto Giacometti stehen seit Freitag zwei Männer vor dem Münchner Landgericht.

08. Mai 2015, 18:20

Der 60 Jahre alte Kunsthändler und sein sieben Jahre älterer Komplize sind wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs in besonders schwerem Fall angeklagt.

Der Ex-Frau des älteren Angeklagten und deren Mutter wirft die Staatsanwaltschaft Beihilfe vor. Gegen letztere musste das Verfahren jedoch abgetrennt werden. Ein Attest bescheinigte der 92-Jährigen Verhandlungsunfähigkeit.

Wie der 67-jährige Angeklagte in den Besitz der Nachbildung von Giacomettis lebensgrosser Bronzefigur "L'Homme qui marche" gelangte, ist nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft vermutet ein Tauschgeschäft mit einem 65-jährigen Kunstfälscher, der 2011 vom Landgericht Stuttgart zu neun Jahren Haft verurteilt wurde.

Im Lagerraum des Mannes in Mainz hatte die Kriminalpolizei 2009 mehr als 1000 falsche Giacomettis gefunden. So viele Werke hatte der 1966 gestorbene Künstler nie geschaffen.

Verkauf an Zürcher Galerie gescheitert

Für den geplanten Verkauf der falschen Giacometti-Skulptur haben die beiden Münchner Hauptangeklagten der Staatsanwaltschaft zufolge Unterlagen zum Beweis ihrer Echtheit angefertigt. Der Versuch eines Verkaufs an eine Züricher Galerie scheiterte 2009 trotzdem wegen "fehlender Authentizität". Verhandlungen mit einem anderen Interessenten brachen die Angeklagten selbst ab. Sie befürchteten laut Anklage, dass der Mann Verdacht geschöpft hatte.

Die Nachbildung landete dann wieder bei dem Kunstfälscher, der sie für 1,5 Millionen Euro einem verdeckten Ermittler des Landeskriminalamts anbot. Bei der Festnahme des Mannes wurde die Figur sichergestellt.

"L'Homme qui marche" ist das berühmteste Werk des Schweizer Bildhauers. Es ziert die Schweizer 100-Franken-Note. (sda/dpa)


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