Schuldspruch gegen Silk-Road-Gründer

DROGENKRIMINALITÄT ⋅ Im US-Prozess gegen den mutmasslichen Drahtzieher des illegalen Online-Handelsplatzes Silk Road ist das Urteil gefallen: Die Geschworenen an einem Bundesgericht in New York befanden Ross William Ulbricht am Mittwoch in allen Anklagepunkten für schuldig.

05. Februar 2015, 05:09

Der Gründer der Online-Drogenbörse Silk Road, Ross Ulbricht, muss sich auf eine lange Haftstrafe einstellen. Nach nur vier Stunden hat eine Jury am zuständigen Bezirksgericht von Manhattan den 30-Jährigen am Mittwoch in allen Anklagepunkten für schuldig befunden.

Die US-Regierung wirft Ulbricht, der im Oktober 2013 vom FBI verhaftet worden war, unter anderem Verschwörung zum Handel von Drogen und Waffen im Internet vor. Ulbricht soll ab Anfang 2011 unter dem Pseudonym "Dread Pirate Roberts" Betreiber der als "Ebay für Drogen" bekanntgewordenen Ursprungsversion der illegalen Online-Plattform Silk Road gewesen sein.

Seine Anwälte stritten dies bis zuletzt ab. Er habe die Seite zwar entwickelt, sich dann aber rasch zurückgezogen. Ulbricht selbst sagte bei dem dreiwöchigen Prozess in New York nicht aus.

Strafe soll später folgen

Diverse auf seinem Laptop sichergestellten Dokumente, für Silk-Road-Transaktionen verwendete Einheiten der Digitalwährung Bitcoin in Millionenwert sowie ein ehemaliger Wegbegleiter und Ermittler belasteten Ulbricht vor der Jury.

Einige Zeugen, die die Verteidigung für wichtig hielt, wurden vom Gericht nicht zugelassen. Ulbrichts Strafmass soll am 15. Mai verkündet werden, ihm droht im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe.

Zweifel an Einzeltäter-These

Trotz der erdrückenden Beweislage bleiben Zweifel, ob Ulbricht wirklich Silk Roads alleiniges Mastermind "Dread Pirate Roberts" ist. So sagte "DPR" dem US-Magazin "Forbes" im Juli 2013: "Ich habe Silk Road nicht gestartet, es war mein Vorgänger". Forbes-Redaktor Andy Greenberg, der das Interview führte: "Das erste, was er mir sagte, war: 'es gibt mehrere Dread Pirate Roberts'".

Auch die Wahl des Pseudonyms spricht eher gegen einen Einzeltäter - es stammt aus dem Film "The Princess Bride" von 1987 und steht dort für einen Charakter ohne klare Identität.

Einige Prozessbeobachter sehen in dem harten Durchgreifen der US-Regierung eine Art Exempel. So solle gezeigt werden, dass der Staat auch im "Darkweb" die Kontrolle habe, hiess es am Rande der Verhandlung immer wieder. Damit ist eine Untergrund-Nische des Internets gemeint, die nur durch den Anonymisierungsdienst TOR erreichbar ist.

Geheimdienstmethoden gegen Silk-Road-Betreiber

Die US-Regierung hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um Silk Road auszuheben - zumindest das Original, Nachahmerseiten sind bis heute nicht auszumerzen. Jared Der-Yeghiayan, ein Agent der Behörde Homeland Security, unterhielt als verdeckter Ermittler bis zu 18 Nutzerkonten bei Silk Road.

Er arbeitete sich bis zum Administrator hoch und gewann das Vertrauen von "Dread Pirate Roberts". Über zwei Jahre habe er Tausende von Stunden auf der Plattform verbracht, sagte der Agent vor Gericht aus.

In Bibliothek festgenommen

Im Oktober 2013 stellten die Ermittler die entscheidende Falle: Der-Yeghiayan lockte Ulbricht unter einem Vorwand in einen Chat im Foren-Bereich von Silk Road und überführte ihn mutmasslich durch eine markierte E-Mail, die dem Ermittler zufolge nur der wahre "Dread Pirate Roberts" erkennen konnte.

Die Einsatzkräfte nahmen Ulbricht in einer Bibliothek fest, beschlagnahmten seinen Laptop und durchsuchten seine Wohnung in San Francisco. (sda/afp)


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