Trentino – autonomer Status weckt Neid

31. März 2017, 19:59

Die «autonome Provinz» Trient, wie das Trentino amtlich heisst, bildet zusammen mit dem nördlich angrenzenden Südtirol die italienische Region «Trentino/Alto Adige». Bis zum Ersten Weltkrieg bildeten das Trentino, Südtirol und das österreichisch gebliebene Nordtirol das Kronland Tirol der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie. Weil im Trentino – im Unterschied zu Nord- und Südtirol – stets eine italienischsprachige Bevölkerungsmehrheit bestand, wurde das Gebiet auch «Welschtirol» genannt. Die Hauptstadt ist Trient (italienisch Trento).

Wie Südtirol und das Aostatal geniesst das Trentino eine weitgehende Autonomie. Beneidet werden die Trentiner von den übrigen Italienern insbesondere darum, dass rund 90 Prozent der in der Provinz erhobenen Steuern wieder nach Trient zurückfliessen; das Gesundheits- und das Bildungswesen, das in Italien von Rom aus organisiert wird, können die Trentiner und Südtiroler in Eigenregie gestalten und finanzieren. In beiden Bereichen liegen bezüglich Qualität Welten zwischen dem Trentino und dem Rest Italiens. Die Region «Trentino/Alto Adige» zählt zu den wohlhabendsten Italiens; das Durchschnittseinkommen liegt auch deutlich über dem EU-Durchschnitt.

Politisch war das Trentino jahrzehntelang eine Hochburg der Christlichdemokraten gewesen. Alcide de Gasperi, der «Vater der Republik», stammte aus dem gebirgigen Tal an der Etsch. Nach dem Untergang der Democrazia Cristiana Anfang der Neunzigerjahre wurde die Provinz von unterschiedlichen Koalitionen regiert. Der aktuelle Provinzpräsident Ugo Rossi ist Mitglied des lokalen Partito Autonomista Trentino Tirolese. (dsr)


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