Venezuelas Elite im Visier der Drogenfahner

VENEZUELA ⋅ Wegen grossangelegten Kokainschmuggels ermitteln US-Behörden laut Presseberichten gegen Venezuelas zweitmächtigsten Mann Diosdado Cabello. Auch andere hochrangige Vertreter von Regierung und Armee des südamerikanischen Landes sind im Visier der Fahnder.

19. Mai 2015, 05:30

Ermittler der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA und Staatsanwälte der Bundesbehörden in New York und Miami ermittelten auf der Grundlage von Aussagen früherer Drogenhändler, berichtete die US-Zeitung "Wall Street Journal" am Montag. Auch Informanten mit engen Verbindungen zu Regierungsvertretern in Caracas und Deserteure der venezolanischen Armee stützten den Verdacht.

Die spanische Zeitung "ABC" hatte bereits im Januar von Ermittlungen der US-Behörden gegen Cabello berichtet. Vorige Woche verhängte ein Gericht in Venezuela in dem Zusammenhang Ausreisesperren gegen über 20 Journalisten. Hintergrund waren Anzeigen Cabellos gegen venezolanische Medien, die den "ABC"-Bericht aufgegriffen hatten.

Cabello gilt als Venezuelas mächtigster Mann nach Staatschef Nicolás Maduro. "Es gibt umfassende Beweise, dass er einer der Köpfe, wenn nicht der Kopf des Kartells ist", zitierte das "Wall Street Journal" einen nicht namentlich genannten Vertreter des US-Justizministeriums. Cabello sei "sicherlich ein Hauptziel" der Ermittlungen. Ein US-Vertreter warnte dem Bericht zufolge, die Reaktionen Venezuelas auf die bereits vor Jahren eingeleiteten US-Ermittlungen würden "verheerend" sein.

Cabello hatte vergangene Woche Anzeige gegen Mitarbeiter von drei venezolanischen Medien erstattet, die über die Drogen-Vorwürfe berichtet hatten. "Sie beschuldigen mich ohne jeden Beweis, ein Drogenhändler zu sein, und nun bin ich der böse Bube", wurde Cabello von Staatsmedien zitiert. "Ich fühle mich beleidigt und keiner von denen hat sich wenigstens entschuldigt."

Keine Ermittlung gegen Maduro

Gegen Staatschef Maduro wird laut "Wall Street Journal" nicht ermittelt, dafür aber unter anderem gegen Ex-Innenminister Tarek El Aissami, den ehemaligen Chef des Militärgeheimdienstes, Hugo Carvajal sowie Cabellos Bruder, Industrieminister José David Cabello.

In Venezuela wird der Kokain-Rohstoff Koka nicht angebaut. Laut "WSJ" ist der Drogenhandel in Venezuela in den vergangenen Jahren allerdings explodiert. Kolumbianische Drogenkartelle verlegten ihre Aktivitäten in das Nachbarland, weil in Kolumbien eine von den USA finanzierte Offensive gegen den Drogenhandel geführt wird. Nach US-Schätzungen wird fast ein Drittel der Kokain-Produktion anderer Andenstaaten durch Venezuela geschleust.

Dem ölreichen Venezuela setzt der drastisch gefallene Ölpreis zu. Die Beziehungen des sozialistischen Landes zu den USA sind äusserst angespannt. (sda/afp/dpa)


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