Blatter-Verfahren: Fussballverbands-Büros in Frankreich durchsucht

FIFA ⋅ Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat im Rahmen des Strafverfahrens gegen Sepp Blatter in Frankreich Büros des nationalen Fussballverbands Frankreichs in Paris durchsuchen lassen.

Aktualisiert: 
09.03.2016, 15:00
09. März 2016, 08:16

Im Strafverfahren gegen Ex-FIFA-Präsident Sepp Blatter hat die schweizerische Bundesanwaltschaft die Büros des nationalen französischen Fussballverbandes in Paris durchsuchen lassen. Dabei wurden Dokumente beschlagnahmt.

Die Durchsuchung der Büros des nationalen Fussballverbandes erfolgte am Dienstag durch die nationale Finanzstaatsanwaltschaft Frankreichs, wie die Bundesanwaltschaft am Mittwoch mitteilte. Es handelte sich bei der Aktion um den Vollzugs eines Rechtshilfeersuchens vom 14. Januar 2016. Die Bundesanwaltschaft war vor Ort anwesend.

Gemäss der Mitteilung der Bundesanwaltschaft wurden bei der Durchsuchung Dokumente im Zusammenhang mit der Zahlung von zwei Millionen Franken an UEFA-Präsident Michel Platini im Februar 2011 beschlagnahmt.

Dieser Möglichkeit widerspricht Blatter in einer Stellungnahme, in der er sich über die Durchsuchung beim französischen Verband «sehr überrascht» äusserte. Die zwei Millionen Franken seien von der FIFA im Rahmen eines mündlichen Vertrags zwischen ihm und Platini ausbezahlt worden. Das Geld sei aber weder an den französischen Verband noch an die UEFA überwiesen worden, sondern auf ein privates Konto von Platini in einer Schweizer Bank, sagte Blatter der französischen Nachrichtenagentur AFP.

Ermittlungen liefen im September 2015 an

Die Bundesanwaltschaft hatte am 24. September ein Strafverfahren gegen den Walliser Blatter eröffnet. Es geht dabei um den Verdacht der ungetreuen Geschäftsbesorgung und eventuell der Veruntreuung. In der Mitteilung vom Mittwoch wies die Bundesanwaltschaft darauf hin, dass für Blatter und alle anderen Beschuldigten nach wie vor die Unschuldsvermutung gelte.

Gemäss den Ermittlern besteht neben der angeblich treuwidrigen Zahlung an Platini der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit der Caribbean Football Union - deren Präsident der im US-Verfahren der Korruption und der Geldwäscherei beschuldigte Jack Warner war - einen für den Weltfussballverband FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat.

Blatter bestritt Vorwürfe immer

Zudem wird Blatter verdächtigt, bei der Umsetzung des Vertrages in Verletzung seiner Treuepflichten gegen die Interessen der FIFA respektive der FIFA Marketing & TV AG verstossen zu haben. Blatter hatte die Vorwürfe immer bestritten und die Zahlung an Platini für geleistete Dienste des UEFA-Präsidenten für die FIFA zwischen Januar 1999 und Juni 2002 begründet.

Blatter war im Zuge der eingeleiteten Ermittlungen nach einer Sitzung des FIFA-Exekutivkomitees von Vertretern der Bundesanwaltschaft als Beschuldigter einvernommen worden. Platini wurde gemäss den damaligen Informationen der Bundesanwaltschaft dagegen nur als Auskunftsperson befragt. Platini selber hatte damals die Zahlung bestätigt und sie wie Blatter mit vertraglich vereinbarten Leistungen für die FIFA begründet.

Blatter und Platini sind inzwischen von der Ethikkommission und der Rekurskammer der FIFA gesperrt worden. Beide kündigten an, die Sperren ans Sportgericht in Lausanne weiterzuziehen. Die Rekurskammer hatte die Sperre gegen Blatter um zwei auf sechs Jahre gesenkt.

Verfahren in der Schweiz und in den USA

Im FIFA-Korruptionsfall ermitteln die Schweiz und die USA nach wie vor in zwei unabhängigen Verfahren. Das Schweizer Verfahren kreist um die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar, das amerikanische rund um Medien-, Marketing- und Sponsoringrechte für Fussballturniere in den USA sowie in Lateinamerika. Die US-Behörden und die Bundesanwaltschaft arbeiten aber eng zusammen.

So sind auf Ersuchen der USA in Zürich Ende Mai und Anfang Dezember des letzten Jahres insgesamt neun FIFA-Funktionäre festgenommen worden und inzwischen teilweise an die US-Behörden ausgeliefert worden. Auf Ersuchen der USA sperrte das Bundesamt für Justiz zudem 80 Millionen US-Dollar auf Schweizer Bankkonten. (sda)


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