Big Data: Du bist, was du suchst

KOMMENTAR ⋅ Unser Autor Gregory Remez über unseren Fussabdruck im Internet.
09. Januar 2018, 05:00

Mit dem Schlagwort Big Data verhält es sich derzeit ein bisschen wie mit Donald Trump. Die einen kriegen nicht genug, wollen über jede neue Entwicklung Bescheid wissen; die anderen können es nicht mehr hören und wenden sich desinteressiert ab. All diejenigen, die bereits die grosse Daten-Müdigkeit befallen hat, seien allerdings gewarnt: Während Entscheidungen eines US-Präsidenten den Alltag eines Durchschnittsschweizers nur bedingt tangieren, nimmt der Einfluss der globalen Datenerfassung und -analyse auf unser Leben rapide zu. Wir sind nicht nur täglich mit Big Data konfrontiert, das Phänomen verändert auch die Art und Weise, wie wir denken, handeln, kommunizieren, lieben, fühlen.

Was wir Soziologen, Marktforschern, ja selbst unseren Nächsten verschweigen, vertrauen wir ungeniert Maschinen an. Das sanfte Glühen ihrer Bildschirme animiert uns zur Redseligkeit. Allein vor dem Computer, sind viele von uns bereit, selbst intimste Geheimnisse preiszugeben. Denn im Zwiegespräch mit Google werden Gedanken über soziale Erwünschtheit obsolet, wir haben keinen Grund, zu lügen – wollen wir doch, dass die Algorithmen die richtigen Ergebnisse ausspucken.

Das Problem dabei ist offensichtlich: Jedes Mal, wenn wir auf Google eine neue Suche starten, auf Facebook einen Kommentar verfassen oder auf Amazon ein Buch kaufen, geben wir den Internetriesen ein bisschen mehr von uns preis. Oft haben wir keine Ahnung, was danach mit unseren digitalen Spuren passiert. Höchste Zeit also, dass wir unseren ständigen Drang überdenken, Maschinen zu Rate zu ziehen. Menschen sind ohnehin die viel besseren Zuhörer.


Gregory Remez

gregory.remez@luzernerzeitung.ch

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