Dänen kaufen polnisches Kind

KINDERHANDEL ⋅ Ein dänisches Paar hat in Polen ein Neugeborenes gekauft; bestraft wird es dafür nicht. Im Internet sind viele solche illegalen Angebote vorhanden. Interesse zeigen auch deutschsprachige Eltern.
09. Januar 2018, 08:42

Niels Anner, Kopenhagen

«Ich bin im 8. Monat (schwanger). Aus persönlichen Gründen kann ich das Kind nicht aufziehen. Ich bin deshalb fest entschlossen, das Baby einer liebevollen Familie zu geben.» Dies schrieb eine Polin laut dem dänischen Fernsehen DR in einem Internetforum. Kurz darauf antwortete eine Dänin, sie und ihr Mann hätten seit Jahren erfolglos versucht, Kinder zu bekommen. Darum seien sie sehr interessiert.

Laut DR hat die gleiche Dänin sich auch in einem deutschsprachigen Forum nach einer «privaten Adoption» erkundigt; dort bieten immer wieder Polinnen Neugeborene an. Mit ein Grund dafür dürften die strengen Abtreibungsgesetze in dem osteuropäischen Land sein. In einem anderen Fall schrieb eine 37-jährige polnische Mutter, sie könne sich ein drittes Kind nicht leisten und wolle ihr gesundes Baby darum gleich nach der Geburt verkaufen. «Wann sollen wir Geld überweisen», fragt darauf eine Dänin im Forum; sie und ihr Mann böten ein «stabiles Zuhause mit viel Liebe». Gemäss Recherchen von DR tummeln sich in den Foren Paare aus ganz Europa, die sich verzweifelt ihren Kinderwunsch erfüllen wollen.

Dunkelziffer liegt sehr hoch

Das Vorgehen ist jedoch illegal. Für Adoptionen gelten international strenge Regeln, wobei die Behörden involviert sein müssen. In Dänemark wird sorgfältig abgeklärt, ob Paare geeignet sind, wobei unter anderem folgende Kriterien gelten: Die zukünftigen Eltern dürfen nicht älter als 42 sein, müssen seit mindestens zweieinhalb Jahren ein Paar sein, bei guter Gesundheit, finanziell abgesichert, und sie müssen über eine geeignete Wohnung verfügen. In Polen ist das Verkaufen von Kindern verboten; jedoch sehen die Gerichte laut von DR befragten Experten von Strafen ab, wenn es sich nicht um Menschenhandel wie Prostitution oder Sklaverei handelt, sondern das Baby an verzweifelte Eltern abgegeben wird. Polnische Adoptionsorganisationen schätzen, dass die Dunkelziffer für illegale Adoptionen sehr hoch ist.

In Dänemark hat ein Gerichtsfall Licht auf die Problematik geworfen. Angeklagt war ein Paar aus Nordjütland, das seinen heute dreijährigen Sohn einer Polin für umgerechnet 850 Franken abgekauft hatte. Auch sie waren über das Internet mit der Mutter in Kontakt gekommen, nachdem sie jahrelang versucht hatten, selber ein Kind zu bekommen. Auf eine legale Adoption machten sie sich keine Hoffnung, da die Frau unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, wie sie vor Gericht erklärte.

Geburtsurkunde erschlichen

Das Paar bezahlte der schwangeren Mutter das Geld und holte das Baby gleich nach der Geburt in Polen ab. Da der Mann Niederländer ist, erklärte das Paar den Behörden, der Knabe sei dort auf die Welt gekommen; es erschlich sich so eine Geburtsurkunde und registrierte das Kind in Dänemark. Heute lebt der Bub weiterhin bei seinen neuen Eltern. Es geht ihm gut.

Das Gericht sah nun von einer Verurteilung wegen illegaler Adop­tion ab. Es beurteilte den Fall als «Auftrag an eine Leihmutter», was nicht verboten ist. Weil die Mutter das Kind freiwillig abgegeben habe, handle es sich auch nicht um eine Kindsentführung. Und von Menschenhandel könne ebenfalls nicht gesprochen werden, da das Kind nicht zum Zweck einer Ausbeutung gekauft worden sei. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, sie ziehe das Urteil nicht weiter, da sie die Erfolgschancen vor einer höheren Instanz als zu klein einschätze.

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