Die Hochs und Tiefs der Kantone

GEOGRAFIE ⋅ Von 193 (Lago Maggiore TI) bis 4634 Meter ü. M. (Dufourspitze VS) reicht das Höhenprofil der Schweiz. Im Grunde genommen könnte man aber noch weiter unten beginnen, unter dem Meeresspiegel.
Aktualisiert: 
17.07.2017, 14:00
16. Juli 2017, 08:58

Hans Graber

Fangen wir unten an: Der Schweiz mangelt es an fast gar nichts – ausser am Meer. Unter den Meeresspiegel aber kann man selbst in der Schweiz gelangen. Vorausgesetzt, man ist ein guter und risikofreudiger Taucher. Etwas südlich von Brissago am Lago Maggiore kann man auf Schweizer Territorium 272 Meter in die Tiefe stechen. Boden unter den ­Flossen hat man dort erst bei 79 Meter unter dem Meeresspiegel – dem eigentlichen Tiefpunkt der Schweiz. Falls das wirklich stimmt.

Laut Ruedi Bösch von Swisstopo (Bundesamt für Landestopografie) stammt die möglicherweise «veraltete und nicht ganz exakte Angabe» circa aus dem Jahr 1950. Sogenannte Bathymetriedaten neueren Datums gibt es nicht. Selber abtauchen und nachmessen empfiehlt sich kaum. Reto Loretz von Dive & Trek Connection (Tauchshop) in Luzern: «In dieser Tiefe ist es langweilig, da kann man sich genauso gut zu Hause eine Mondkraterlandschaft anschauen.»

Dann also lieber gleich am Ufer des Lago Maggiore bleiben: In reizvoller Umgebung steht man auf 193 m ü. M. und damit auf dem tiefsten überirdischen Punkt der Schweiz. Einiges höher – auf 271 m ü. M. – liegt der Spiegel des Lago di Lugano. Klar unterboten wird er somit vom tiefsten Punkt der Deutschschweiz, dem Rheinufer bei Kleinhünningen BS (245 m ü. M.).

Alle Kantonshöhepunkte bestiegen

Dort in der Nähe zu Hause ist Andi ­Gerber (45), hauptberuflich Laborant, in der Freizeit leidenschaftlicher Berg­steiger. Vor einigen Jahren hat er alle höchsten Gipfel der 26 Schweizer Kantone (die halben zählen wir hier ganz) er­klommen. Nötig waren nur 25 Aufstiege, denn der Säntis ist für beide Appenzell der Höhepunkt. Unter www.hikr.org/list/8/ finden sich sämtliche Tourenberichte.

Gerber war sich nicht zu schade und hat auch Erhebungen wie etwa St. Chrischona, den Stadtbasler Hausberg (Gipfel: 522 m), gewissenhaft heimgesucht.

Etwas anspruchsvoller waren die drei Viertausender Dufourspitze (VS), Finster­aarhorn (BE) und Piz Bernina (GR), fast noch kniffliger Tödi (GL) und Ringelspitz (SG), und die grösste Herausforderung war Nidwaldens Rotstöckli (2901 m). «Heute gibt es da aber einen Klettersteig, der es etwas einfacher macht.»

Und wo hat man die besten Aus­sichten? Gerber: «Nicht unbedingt auf den Viertausendern, sondern auf isoliert stehenden Gipfeln wie dem Säntis oder dem Luzerner Höhepunkt, dem Brienzer Rothorn, mit wunderbaren Panoramen.»

Andi Gerber hat übrigens ein weiteres Projekt bald abgeschlossen: Die Besteigung der höchsten Gipfel aller europäischen Länder. 48 von 52 hat er im Sack, es fehlen noch Schweden, Finnland, Kasachstan und – die schwierigste Aufgabe – der Schchara in Georgien.


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