Topmanager auf der Suche nach dem Kick

UNGLÜCK ⋅ Topmanager gehen oft auch sportlich an ihre Grenzen. Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub wurde dies zum Verhängnis.
15. April 2018, 10:02

Der deutsche Milliardär Karl-Eri­van Haub ist vor über einer Woche allein zu einer Skitour am Klein Matterhorn aufgebrochen. Seither fehlt jede Spur von ihm. Bei der weiteren Suche setzen die Einsatzkräfte jetzt vor allem auf einen Zufallsfund, wie die Nachrichtenagentur SDA schreibt. «Wenn zum Beispiel ein Bergführer etwas entdecken würde, würde sofort wieder ausgerückt werden», sagte gestern ein Sprecher der Kantonspolizei Wallis. Derzeit seien jedoch alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

«Man muss in allen Bereichen erfolgreich sein»

Haub war als begeisterter Sportler bekannt. Auch in der Schweiz sind viele Topmanager sportlich sehr aktiv. «Es gehört in Managerkreisen zum guten Ton, einen Marathon oder Triathlon zu absolvieren», sagt Sportpsychologin Romana Feldmann. Das sei Ausdruck der Leistungsgesellschaft: «Man muss heute in allen Bereichen erfolgreich sein, nicht nur im Beruf, sondern auch im Sport.» Hinzu komme, dass es zum Beispiel beim Marathon ähnliche Kompetenzen brauche wie in der Karriere: Ausdauer, Zielstrebigkeit und Ehrgeiz etwa.

Seit kurzem hat das Optimierungsstreben laut Feldmann eine weitere Dimension erfasst: die spirituelle. «Mittlerweile ist es ­ en vogue, neben Ausdauersport auch noch Yoga zu machen oder zu meditieren. Das klingt zwar gesund, doch alles zusammen ist häufig zu viel», sagt die Sportpsychologin. Gerade Topmanagern falle es oft schwer, Grenzen zu ziehen. Das könne gefährlich werden. «Es ist ganz wichtig, die eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen», sagt Romana Feldmann. Dazu bräuchten CEOs ein gutes Umfeld, das sie auch einmal bremse.

Maja Briner


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