Der Eiffelturm wird eingemauert

FRANKREICH ⋅ Um der Terrorgefahr vorzubeugen, erhält das Pariser Wahrzeichen eine Schutzmauer. Trotz vieler Einwände der Anwohner beginnen die Bauarbeiten bereits am Montag.
16. September 2017, 04:40

Stefan Brändle, Paris

Die Symbolik springt ins Auge. Das höchste, das bekannteste und nach Meinung vieler das schönste Monument von Paris muss mit einer soliden Einfriedung geschützt werden. Eine Mauer mehr, klagen viele Bewohner der Hauptstadt. Doch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo gibt am kommenden Montag den Startschuss für die Bauarbeiten unter Aufsicht des österreichischen Architekten Dietmar Feichtinger.

Der Stadtrat hat das Projekt für 20 Millionen Euro in aller Stille abgesegnet. Er will die Anwohner nicht vergällen, die Touristen nicht verängstigen. Aber die Gefahr ist nicht mehr von der Hand zu weisen, seitdem ein – sehr amateurhaftes – Attentatsprojekt von einem Dschihadistenpaar aufgedeckt worden war. Noch im vergangenen August, als der Mauerplan bereits beschlossen war, attackierte ein Mauretanier einen unter dem Turm patrouillierenden Soldaten mit einem Messer. Offenbar zieht das 324 Meter hohe Symbol französischer Grandeur auch Attentäter an.

Mauer so diskret wie möglich gestaltet

Bei einer öffentlichen Versammlung im Rathaus des 7. Stadtbezirks erhielten die Anwohner diese Woche die Zusicherung, dass die Mauer so diskret wie möglich gestaltet werde. Auf der Hauptseite zur Seine hin wie auch auf der Rückseite zum Marsfeld wird die 2,50 Meter hohe Abschrankung aus Glas sein. Sogar aus «extrahellem» Glas, wie ein Verantwortlicher mitteilte. Schusssicher sei das verwendete Material auf jeden Fall.

An der Seite wird die Mauer aus Metallplatten und -gittern bestehen. Die schleusenartigen Zugänge für Warenlieferungen werden durch Wachhäuschen flankiert. Im Umkreis sollen die heute obligaten Betonpflöcke Lastwagenattacken verhindern.

Ganz durchsichtig wird diese Installation also nicht sein. Die konservative Opposition kritisiert den Anblick einer «Festung», hat aber auch keine Alternativen. Twitter-Kommentare stellen den Sinn der Mauer in Frage: «Die Terroristen werden sich anzupassen wissen. Granaten, Drohnen …»

Die vorwiegend älteren und betuchteren Teilnehmer der Anwohnerversammlung waren ebenfalls skeptisch. Ob das nicht «wie ein Gefängnis» wirke, fragten sie. Und ob der Zugang zum Marsfeld nach wie vor freibleibe. Letztere Frage bejaht die Bauleitung. Und den «Mauer-Effekt» relativiert sie nicht nur wegen der Verglasung: Seit der Fussballeuropameisterschaft im Sommer 2016, als das Marsfeld in eine Live-Zone verwandelt war, sichern mobile, aber umso hässlichere Metallschranken das Gebiet um und unter dem Eiffelturm ab. Das wirke viel schwerfälliger als eine Glaswand, heisst es.

Touristen bezahlen die Baukosten

Die Baukosten haben zudem nicht die Hauptstadtbewohner zu berappen, sondern werden auf die Turmbesucher überwälzt. Der Eintrittspreis von 17 Euro für einen Erwachsenen dürfte deshalb mittelfristig eine Steigerung erfahren. Die Bauarbeiten mehr als ein halbes Jahr dauern. Das ist noch gar nichts in Relation zum 1889 eröffneten Turm, der seit Jahrzehnten dauerrenoviert, -repariert und -entrostet wird.

Mit ihm verglichen hält sich eigentlich auch die Mauer-Opposition in Grenzen: Zu seiner Einweihung war der «300-Meter-Turm», wie er damals hiess, von Dichtern wie Guy de Maupassant oder Alexandre Dumas ein «anmutsloses Skelett», eine «tragische Laterne» oder ein «bis zum Schwindel lächerlicher Kaminschlot» genannt worden. Heute wäre er für niemanden mehr aus dem Pariser Stadtbild wegzudenken. Und daran wird auch eine zweieinhalb Meter hohe Glaswand nichts ändern.


Leserkommentare

Anzeige: