Ein Prinz ruiniert sich

DÄNEMARK ⋅ Zuerst schockiert Prinz Henrik mit der Mitteilung, er wolle nicht neben seiner Gattin, Königin Margrethe, begraben werden. Jetzt beschimpft er die Monarchin öffentlich.
11. August 2017, 08:27

Niels Anner, Kopenhagen

Es begann mit einem Detail, einer kurzen Medienmitteilung. Doch nun erwächst daraus ein Skandal, der in die Geschichtsbücher eingehen wird, da sind sich Monarchie-Experten und Historiker einig. Die Mitteilung des dänischen Königshofs, dass Prinz Henrik nicht neben der Königin begraben werden will, war letzte Woche kurz und trocken. Aber an Deutlichkeit nicht zu überbieten, wie die Hofexpertin des dänischen Fernsehens sagte: «Dies hier ist definitiv, weil es um den Tod geht. Es ist die ultimative Rache ­Henriks», so Anette Kokholm.

Rache? Was war passiert? Obwohl die Entscheidung des 83-jährigen Ehegatten von Königin Margrethe wie ein Blitz einschlug, kam sie nicht völlig überraschend. Denn Henrik, geboren in Frankreich als Henri Graf de Laborde de Monpezat, war seit Jahrzehnten unglücklich mit seiner Rolle am dänischen Hof. Insbesondere mit seinem Titel, denn nach dänischem Recht wird der Mann der Königin nicht als König bezeichnet, sondern als Prinz. Für Henrik fand man die Bezeichnung «Prinzgemahl», analog zum britischen «Prince Consort».

Überraschendes Interview

Doch auch darüber hatte sich Henrik mehrfach in Interviews beklagt. So sagte er 2009, er wünschte sich, dass das dänische Bestreben nach Gleichberech­tigung auch für Männer gelte. Henrik kritisierte wiederholt, er werde in Dänemark nicht akzeptiert, man mache sich über seinen Akzent lustig – und er erhalte nicht die ihm zustehende Position; er sei nur die Nummer drei hinter Kronprinz Frederik. Und nun also die Weigerung, sich ins Grab neben die Königin zu legen.

Doch damit nicht genug. Diese Woche äusserte sich Henrik überraschend in der Presse, in einem Interview in Südfrankreich. Dies so offen und hart, dass nicht nur der Journalistin der Atem stockte, sondern danach auch der Leserschaft. Die Königin, schimpfte Henrik, gebe ihn der Lächerlichkeit preis: «Wir sind nicht gleichwertig. Nur meine Frau kann etwas an der ­Situation ändern. Wenn sie zusammen mit mir begraben werden will, muss sie mich eben zum Königingemahl machen.» Ein Anliegen, dem Königin Margrethe in all den Jahren nicht nachkommen wollte.

Einmaliger Vorgang

Die Kritik, sagen Historiker, ist einmalig, nicht nur in Dänemark. Wie Henrik die Königin öffentlich abkanzle, sei in anderen Monarchien noch nicht gesehen worden. Margrethe, eine aufrechte Persönlichkeit, hatte sich nach aussen hin immer verständnisvoll für ihren Mann gezeigt. Dennoch sehen Hofexperten die Entwicklung als harten Schlag für die Monarchin, einerseits persönlich, aber auch, weil das Ganze in die Geschichtsbücher eingehen werde und letztlich einen Schatten auf die Königin werfen werde.


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