Kopf des Tages

Francine Jordi – eine starke Frau, die vielen Mut macht

OUTING ⋅ Die Sängerin und Komponistin Francine Jordi hat in den vergangenen Monaten den Brustkrebs besiegt, klammheimlich und ohne sich zurückzuziehen. Hut ab vor dieser Kraft.
12. April 2018, 07:29

Da dachte man immer, Francine Jordi, der Sonnenschein der Schweizer Showbranche, habe das Glück auf ihrer Seite. Stets strahlend und gut gelaunt singt sie auf verschiedensten Bühnen, grossen wie kleinen, und lässt die Herzen ihrer vielen Fans höher schlagen.

Seit gestern weiss man: Die attraktive Bernerin kann nicht nur sehr gut singen, sondern auch sehr gut schauspielern. Und die 40-Jährige ist nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch sehr stark. Und sie hat leider nicht nur Glück.

Denn gestern wurde bekannt, dass Francine Jordi vergangenen Mai eine Brustkrebsdiagnose ereilt hat (Artikel vom 11. April). Es folgten Operation, Chemo­therapie, Bestrahlung. Das alles stand sie durch, ohne der Öffentlichkeit Bescheid zu sagen. Stattdessen trat sie weiter auf, sang und moderierte weiter, lächelte, der schlimmen Krankheit zum Trotz. Jedes Konzert, jede Fernsehsendung und jede Begegnung mit den Fans hätten ihr unglaublich viel Kraft gegeben und sie durch diese Zeit getragen, wurde die Sängerin gestern im «Blick» zitiert.

Jordis Album «Halt mich» war 2005 viele Wochen in den Schweizer Charts. Halt hatte Jordi in den letzten Monaten ganz sicher sehr viel nötig – sie hat ihn sich auch selbst gegeben. «Frauen sind so», sang Jordi 2008 erstmals. «Sonnenklar, wunderbar, zu allem bereit ...»

Es macht Mut, dass so viele Frauen wie Francine Jordi sind: Sie lassen sich nicht unterkriegen von der Diagnose Brustkrebs, die weltweit jede achte Frau einmal im Leben trifft. 70 bis 75 Prozent aller Betroffenen können heute geheilt werden. Generell ist die Sterberate rückläufig, die Fallzahlen aber steigen. Auf der ganzen Welt kämpfen täglich Frauen darum, diesen Krebs zu besiegen. Sie tun es, ihre Fans vor Augen, wie beispielsweise Jordi, oder ihre Kinder, wie so viele namenlose Heldinnen des Alltags.

Auch ein Outing, wie gestern das von Jordi oder 2013 jenes von US-Schauspielerin Angelina Jolie, die in der «New York Times» davon berichtete, sich einer beidseitigen prophylaktischen Mastektomie unterzogen zu haben, um ihr hohes individuelles Brustkrebsrisiko zu minimieren, braucht und macht viel Mut. Jolies Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, hätte ohne Operation und aufgrund einer Genmutation 87 Prozent betragen. Die Berichterstattung bewirkte, dass sich Frauen inzwischen weltweit vermehrt für Brustdiagnostik und genetische Beratung interessieren.

Francine Jordi erklärte gestern, ihr Körper habe sich inzwischen vollständig von der Krankheit erholt. Sie wolle sich nun endlich wieder ohne eine Perücke frei bewegen können und auch keinen Anlass für Spekulationen geben. Man wünscht der vielseitigen Sängerin, dass sie nach all den Strapazen des vergangenen Jahres so bleibt, wie sie ist, und wie so viele andere Frauen auch es sind: nämlich «sonnenklar, wunderbar, und zu allem bereit ...».

 

Susanne Holz


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