Eine Volkshochzeit für Diana 2.0

GROSSBRITANNIEN ⋅ Die erste Biografie über Prinz Harrys Braut suggeriert: Meghan Markle ist beinahe perfekt. Schon vor der Hochzeit am 19. Mai wird die 36-Jährige mit der verstorbenen «Prinzessin des Volkes» verglichen.
12. April 2018, 08:11

Sebastian Borger, London

Hat Andrew Morton Kreide gefressen? Oder angelt der frühere Royal-Reporter diverser Boulevardblätter nach einer Einladung zur Hochzeit des Jahres? Bei der Vorstellung seiner heute in Grossbritannien erscheinenden Biografie über Prinz Harrys Braut Meghan Markle (Untertitel: «A Hollywood Princess») gibt sich der 64-Jährige jedenfalls ganz zahm. Klug sei die amerikanische Schauspielerin, nachdenklich, «ein echter Teamplayer», schwärmt Morton. Beinahe klingt er wie der stolze Bräutigam, von dem der Biograf sagt: «Er ist total hingerissen von ihr.»

Für Theresa May dürfte das kaum gelten. Die Premierministerin Ihrer britannischen Majestät fehlt auf der Einladungsliste für die Zeremonie in knapp sechs Wochen ebenso wie US-Präsident Donald Trump oder dessen Vorgänger Barack Obama. Gut, den derzeitigen Repräsentanten ihres Herkunftslandes hat die Braut schon mal als «sexistisch» abgekanzelt, im Wahlkampf 2016 setzte sie sich für Hillary Clinton ein. Aber nicht einmal die britische Regierungschefin einzuladen, geschweige denn deren Pendants aus den 15 anderen Staaten wie Australien oder Jamaica, deren nominelles Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II. bis heute ist – dazu gehört schon etwas.

2500 normale Bürger sind eingeladen

In der Georgskirche von Schloss Windsor sei eben viel weniger Platz als in der sonst häufig für ­royale Gelegenheiten genutzten Westminster Abbey, geben Palasthelfer zu bedenken. 1900 Gäste wohnten 2011 der Hochzeit von Harrys älterem Bruder William mit Kate Middleton bei; diesmal haben nur 600 Menschen eine der begehrten Einladungskarten ergattert. Hinzu kommen rund 2500 normale Bürger, die die Feiern samt Kutschenfahrt und Feuerwerk in der weitläufigen Anlage von Schloss Windsor erleben dürfen. Dazu gehören Aktivisten von Wohlfahrtsorganisationen ebenso wie die 12-jährige Amelia Thompson, die vor Jahresfrist nur knapp dem mörderischen Anschlag eines Islamisten auf ein Popkonzert in Manchester entging. Als ihre Begleiterin hat sich Amelia die Grossmutter eines der 23 Todesopfer gewählt.

Es wird also «keine Politiker-, sondern eine Volkshochzeit» (a people’s wedding) werden, fasst Biograf Morton die Ambition des Paares zusammen.

Erinnerungen an Prinzessin Diana

Natürlich greift er damit bewusst jene berühmte Phrase auf, mit der Premier Tony Blair am 31. August 1997 die tödlich verunglückte Mutter des Bräutigams bedachte: Diana sei «die Prinzessin des Volkes» (the people’s princess) gewesen, sagte der Politiker damals mit brüchiger Stimme.

Morton hat unter Markles Schul- und Unifreunden Zeuginnen gefunden, die der zukünftigen Herzogin Meghan – um Prinzessin genannt zu werden, hätte es königlichen Blutes bedurft – Ambitionen auf die Nachfolge der früh Verstorbenen nachsagen: «Diana 2.0» sozusagen.

Dass die Prinzessin, der vom britischen Königshaus übel mitgespielt wurde, aber auch selbst intrigant und berechnend sein konnte, verschwieg Morton in seinem berühmten Buch «Diana – ihre wahre Geschichte», das 1992 zur Trennung von Thronfolger Charles beitrug. Ob auch Markle die eine oder andere negative Charaktereigenschaft besitzt? Das wird in Mortons neuem Buch höchstens einmal angedeutet.

Stattdessen betont der Biograf, was die 36-jährige geschiedene Schauspielerin mit ihrer im gleichen Alter bereits verstorbenen zukünftigen Schwiegermutter verbinde: «Grosse Empathie» mit ihren Mitmenschen. Allerdings sei Markle mehr eine Aktivistin, während Diana in ihrer Rolle als Betreuerin ihrer Kinder und Beschützerin von Kranken und Schwachen aufgegangen sei.


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