Goldmünzen statt Banknoten

SPIELWAREN ⋅ Das neue Brettspiel «Monopoly Gamer» kombiniert Super Mario und seine Freunde mit dem Spieleklassiker. Das Resultat ist zwar witzig – aber ist das noch Monopoly?
11. August 2017, 08:20

Monopoly gibt es in allen Formen und Farben: Neben dem Original gibt es Versionen zu TV-Serien, Filmen und sogar Kantonen. Auch Videospiele haben bereits das Monopoly-Brett geziert. Doch während die bisherigen Ausgaben sich nur darauf beschränkten, dem Spiel einen passenden Anstrich zum jeweiligen Thema zu verpassen, ändert das neu erschienene «Monopoly Gamer» einige der Grundlagen des Spiels.

Es dreht sich zwar immer noch alles um Geld und Grundstücke – diese wurden nur an Marios Welt angepasst. Statt Banknoten gibt es Münzen, statt Strassen kauft man Levels und streicht wie üblich die Miete ein. Nur gebaut wird nichts mehr: Häuschen und Hotels sind gänzlich verschwunden. Ziel des Spiels ist es, möglichst viele Punkte zu sammeln. Dazu sammelt man Münzen, Grundstücke und Bossgegner. Letztere müssen jedes Mal bezwungen werden, wenn ein Spieler über «Los» geht. Da es aber nur deren acht gibt, ­verkürzt sich die Spiellänge radikal gegenüber dem klassischen Monopoly. Das Spiel wirkt allgemein zugänglicher, besonders für jüngere Spieler.

Spuren von «Mario Kart» und «Mario Party»

«Monopoly Gamer» bedient sich nämlich clevererweise nicht nur der Namen aus Super Marios Welt, sondern übernimmt auch Ideen aus dessen reichen Videospielkarriere. Jede der vier Spielfiguren besitzt eigene Fähigkeiten, die durch bestimmte Felder ausgelöst werden. Das Grundspiel enthält Mario, Yoshi, Prinzessin Peach und Donkey Kong. Acht weitere Figuren mit eigenen Fähigkeiten wie Luigi, Wario und Toad sind separat in sogenannten Power Packs erhältlich.

Neben der Spezialfähigkeit jeder Figur wird zusätzlich jede Runde ein Power-up-Würfel geworfen, der verschiedene Effekte auslöst. Deren Inspiration lässt sich leicht erkennen. Ein Beispiel: Mit der grünen Schildkröte verliert der nächste Spieler auf dem Spielbrett drei Münzen. Mit der roten hingegen kann gezielt ein Gegner getroffen werden – ähnlich wie im Rennspiel «Mario Kart». Das Tintenfisch-Power-up erlaubt es hingegen, anderen Spielern Münzen zu stehlen und erinnert deshalb an die Geister aus dem Partyspiel «Mario Party», welche dort eine ähnliche Funktion besitzen – und oft für heftige Streitgespräche sorgten. Das ist auch bei «Monopoly Gamer» der Fall.

Damit drängt sich jedoch die Frage auf, ob das überhaupt noch Monopoly ist. Optisch erkennt man nur noch die vier Eckfelder: Los, Gefängnis, freies Parken und ins Gefängnis. Ansonsten kommt nur wenig Monopoly-Feeling auf. Was nicht heissen soll, dass es keinen Spass macht. Im Gegenteil: Die Regeln sind einfach, das Tempo hoch, und die Bosskämpfe sorgen dafür, dass man sich trotz Vorsprung nicht in Sicherheit wiegen kann. Die Unterschiede zum Klassiker kann man auch als Vorteil sehen: Wer Monopoly schon hat, kann bedenkenlos zur «Gamer»-Edition greifen.

 

Federico Gagliano


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