Liebe als Kraftquelle

LEBENSHILFE ⋅ Anselm Grün ist Mönch, Lebensberater und Buchautor. Am 21. Januar hält der Benediktiner in der Johanneskirche einen Vortrag über Sehnsucht und Liebe in Beziehungen. Kann ein Mönch das?
12. Januar 2018, 07:54

Haymo Empl

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«Liebe, Glanz und Gloria» nennt sich jene Veranstaltung, welche demnächst in der Luzerner Johanneskirche stattfindet. Der Titel klingt etwas boulevardesk – und vielleicht handelt es sich auch um eine bewusste Provokation des Veranstalters. Nebst Anselm Grün (siehe Kasten) wird David Plüss als Musiker auftreten. Dieser präzisiert: «Der Veranstalter hat sich das Thema so gewünscht, da es in Verbindung steht mit einer zweiten Veranstaltung zum Valentinstag mit dem Paartherapeuten Klaus Heer.» Dieser Abend wird dann unter dem Motto «Liebe, Rost und Asche» stehen und gut einen Monat später stattfinden.

Bei «Liebe, Glanz und Gloria» steht aber nicht der Titel im Vordergrund, sondern der Referent Anselm Grün. Ein Mensch, der polarisiert, der aneckt und in konservativen (evangelischen) theologischen Kreisen manchmal für Stirnrunzeln sorgt. Anselm Grün ist Mönch, Autor, Referent und Lebensberater in Personalunion. Daher erstaunt die Aussage von David Plüss wenig: «Beim Thema des Abends mit Anselm Grün wird es um Beziehungen gehen. Beziehungen von Mensch zu Mensch, aber auch um die Beziehung von Mensch zu Glauben und zu Gott.» Anselm Grün ergänzt: «Ich werde einen Vortrag halten über die Liebe als eine Kraftquelle, die in jedem von uns ist und die der ganzen Schöpfung zugrunde liegt. Und natürlich werde ich über die Erfahrungen mit der Liebe sprechen, über Erfüllung und Enttäuschung, über Verzauberung und Verletzung.»

Anselm Grün ist Benediktinermönch und lebt als Benediktiner zölibatär. Da stellt sich die Frage, ob ein Mönch in Sachen Liebe ein geeigneter Referent ist. Der 72-Jährige hat da keine Bedenken: «Liebe spürt jeder Mensch, ganz gleich, ob er verheiratet ist oder nicht. Die Frage ist, wie ich mit der Liebe und mit meiner Sehnsucht nach Liebe umgehe. Ich begleite viele Menschen. Ich höre mir ihre Erfahrungen an.» Er verstehe sich auch weniger als Ratgeber, sondern als Begleiter.

Ein Begleiter, kein Guru

Gerade hier ist der Grat zwischen «Begleiter» und «Guru» ein schmaler. Anselm Grün wird medial gerne als solcher inszeniert, mit seiner Mönchskutte und dem grauen Rauschebart könnte er durchaus Kopf eines obskuren Kultes, einer Sekte sein. Könnte. «Für mich ist es wichtig, als Mönch aufzutreten. Wie die Medien meinen Auftritt gestalten, ist ihr Problem. Ich inszeniere ihn nicht. Ich komme einfach als Pater Anselm. Alles andere ist mir gleichgültig.» Diese Bescheidenheit passt wiederum zu den Benediktinern, und bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass der Leitsatz der Mönche «ora et labora» («bete und arbeite») sich mit der Tätigkeit von Pater Anselm vereinen lässt.

Die Bücher werden grösstenteils im Verlag der Abtei publiziert, die Koordination der Vortragsreisen wird ebenfalls intern erledigt. Und dass Pater Anselm liberaler agiert als andere Vertreter der katholischen Kirche, ist nicht Strategie, sondern ehrliche Lebenseinstellung. «Natürlich ist das benediktinische Motto ‹ora et labora› anders als der Titel des Vortrages ‹Liebe, Glanz und Gloria›. Bei Benedikt geht es aber letztlich darum, dass sowohl das Gebet als auch die Arbeit zur Hingabe führen. Und Hingabe hat durchaus etwas mit Liebe zu tun», präzisiert der Mönch. Die unglaubliche Zahl der Bücher und Schriften von Pater Anselm sind letztendlich auch Arbeit. «Ich schreibe, was mich gerade bewegt. Und ich versuche, im Schreiben Antwort zu geben auf die Fragen von Menschen, die ich begleite. Und da die Fragen nie aufhören, hört auch das Schreiben nicht auf», erklärt Pater Anselm. «Aber ich setze mich nicht unter Druck. Ich plane nicht voraus, was ich in den nächsten Jahren schreiben möchte. Ich überlasse es dem inneren oder äusseren Anruf.»

Worte im Dialog mit Klangbildern

Anselm Grün tut sehr vieles – und alles mit Leidenschaft. Dieses innere Feuer wird auch am Vortrag zu spüren sein. Damit der Funke überspringt, wird der bekannte Kirchenmusiker David Plüss ­ei­nen Teil des Brücken- beziehungsweise Funkenschlags übernehmen. Auch er hat sich Gedanken gemacht: «Meine musi­kalischen Klangbilder am Flügel werden inhaltlich einen Dialog zwischen den Texten und Gedanken von Pater Anselm Grün bilden. Die Musik wird als das jeweilige Thema weiterführen und kommentieren.» Auch Anselm Grün ist es wichtig, dass bei einem Referat auf nonverbaler Ebene alles stimmt: «Wenn ich im Vortrag eine positive Energie spüre, so tut das auch mir gut. Aber ich definiere mich nicht über das, was ich bekomme. Ich achte darauf, dass das, was ich gebe, authentisch ist. Dann kostet es auch keine Kraft.»

Hinweis

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