Londons ÖV sorgt für schöne Bescherung

SPIELZEUG ⋅ Vom Fundbüro unter den Weihnachtsbaum: In London kommen liegen gelassene Spielsachen benachteiligten Kindern zugute.
03. Dezember 2017, 08:05

Teddybären, Star-Trek-Figuren und Lego-Baukästen: Das ist nur eine kleine Auswahl von Spielzeugen, die tagtäglich auf dem Transportnetzwerk der britischen Hauptstadt verloren gehen – und von guten Seelen ins Fundbüro an der weltberühmten Baker Street gebracht werden (Sherlock Holmes lässt grüssen). Falls sich nach drei Monaten kein Besitzer meldet, darf das Transportunternehmen die Fund­stücke behalten.

Das «Lost and Found» platzt allerdings aus allen Nähten: Pro Tag werden rund 1000 Gegenstände eingereicht. Zur Weihnachtszeit wird daher die reich ausgestattete Spielzeugecke ausgeräumt und von freiwilligen Helfern der Heilsarmee abtransportiert. «Die meisten Artikel sind brandneu und eignen sich bestens als Weihnachtsgeschenke», erläutert Fundbürochef Paul Cowan. Er sei «unermesslich stolz», dass sein Unternehmen seit über 10 Jahren dem Weihnachtsmann unter die Arme ­greife.

Neben Spielsachen bleiben auch Kuriositäten liegen

Empfänger der vergessenen Artikel sind Familien, die sich in einer der teuersten Städte Europas keine Extras an Weihnachten leisten können. «Es ist fantastisch, mitanzusehen, wie die Gesichter der Kinder aufleuchten, wenn wir mit den Paketen unterm Arm aufkreuzen», berichtet Heils­armee-Bezirksleiter Kevin Stanbury, der die Rolle des weihnächtlichen Wohltäters offensichtlich geniesst. «Ohne die Fundbürospenden würden diese Buben und Mädchen schlicht und einfach leer ausgehen.»

Es ist erstaunlich, was in Londoner U-Bahn-Zügen, Bussen, Taxis und Überlandbahnen alles liegen gelassen wird, und dies nicht nur zur Weihnachtszeit. ­Rolex-Uhren, 10000 Pfund in Bargeld, menschliche Schädel, Brustimplantate und Rasen­mäher gehören dabei zu den skurrilsten Fundstücken. Daneben sehen die Barbie-Puppen und Monopoly-Spielkästen, die von der Heilsarmee in rote Kastenwägen gepackt werden, eher unspektakulär aus.

Der Effekt, den sie auf ausgewählte Londoner Kinderherzen am Weihnachtsmorgen haben, lässt sich allerdings nicht mit Worten beschreiben.

 

Gabriel Felder, London

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