Wegen Hurrikan «Irma» sind Millionen ohne Strom

USA ⋅ Die Bevölkerung im Süden von Florida hat sich am Montag ein erstes Bild von den Schäden gemacht, die «Irma» verursachte, während der Sturm im Norden des Staates immer noch wütete. Erste Bilanz: Schäden in Milliardenhöhe.
11. September 2017, 22:32

Renzo Ruf, Washington

Florida, am Tag danach. An der Nordspitze des Bundesstaates, in der Grossstadt Jacksonville, herrschte am Montag immer noch Katastrophenalarm – weil am St. Johns River vor rekordverdächtigen Sturmfluten gewarnt wurde, verursacht durch die zerstörerische Kraft von Hurrikan Irma. Immer noch wurden Windgeschwindigkeiten von bis zu 100 Kilometern pro Stunde gemessen, auch wenn der Sturm in den Augen der Meteorologen mittlerweile nur noch ein Tropensturm war. An der Südspitze hingegen konnte sich die betroffene Bevölkerung bei brütend heissen Temperaturen erstmals mit eigenen Augen einen Eindruck von der Zerstörungskraft des Wirbelsturms machen.

Gegen 21 Millionen Menschen leben normalerweise in Florida, in höchst unterschiedlichen Ortschaften an der Ost- und Westküste oder im Innern des Staates. So entgegengesetzt die Lebensbedingungen, so unterschiedlich auch die Erfahrungsberichte, die am Montag verbreitet wurden. Aus küstennahen Städten hiess es wechselweise, «Irma» habe sämtliche Erwartungen übertroffen und Rekorde gebrochen, aber glücklicherweise keine katastrophalen Schäden angerichtet. «Wir haben wahnsinnig viel Glück gehabt», sagte Philip Levine, der Stadtpräsident von Miami Beach.

6 Millionen Haushalte ohne Stromversorgung

In Touristenorten wie Key West oder Marco Island an der Westküste oder Fort Lauderdale am Atlantik war die Rede von überfluteten Strassenzügen, zerstörten Booten, gefällten Bäumen und Problemen mit der Stromversorgung. Gegen 6 Millionen Haushalte und Geschäfte befanden sich am Montag im Dunkeln; das Versorgungsunternehmen Florida Power & Light sagte, es werde wohl noch Wochen dauern, bis sämtliche Stromleitungen wieder in Betrieb seien. Selbst das Dach des hochmodernen Baseball-Stadions der Miami Marlins in Miami ist defekt.

Experten sprachen von Schäden zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar im ganzen Staat, obwohl solche Sofortschätzungen immer mit Vorsicht zu geniessen sind. Die meisten Verwaltungsstellen, Schulen, Flughäfen und auch viele Hotels, Restaurants, Supermärkte und Tankstellen zwischen Jacksonville und Miami blieben geschlossen. Auch waren viele Verbindungsstrassen und Brücken nicht passierbar.

Im Rest des Landes werden die Bewohner von Florida häufig als ein Haufen skurriler Menschen porträtiert, auch weil das tropische Klima im Sunshine State und der Bevölkerungsmix zwischen Einheimischen, älteren Touristen aus dem Norden Amerikas und Kanadas («Snowbirds») und Einwanderern aus Lateinamerika und der Karibik zu einer einmaligen Konstellation führe.

Sheriff rät von Schüssen auf Sturm ab

Und natürlich lachte sich halb Amerika krank, dass der Sheriff des Verwaltungsbezirkes Pasco County, nördlich von Tampa, der lokalen Bevölkerung ans Herz legte, nicht auf «Irma» zu schiessen – nachdem Spassvögel im Internet die Theorie verbreitet hatten, dass sich der Hurrikan mit einer geballten Ladung Schiesspulver vertreiben liesse. Aber solche Meldungen waren selten. Gemeinhin schien sich die Bevölkerung an die Anweisungen der Behörden gehalten zu haben; und vielleicht gab es deshalb – zumindest bis Montagabend – fast keine Nachrichten von Todesfällen. Vorerst war nur von vier Toten die Rede.

Derweil zog «Irma» über Georgia und sorgte in Küstennähe und in der Millionen-Metropole Atlanta für missliche Zustände. Weiter nördlich, in Charleston (South Carolina), waren weite Teile des Zentrums überschwemmt.

Der Hurrikan «Irma» hat in der Karibik und über dem Festland von Florida Tod und Verwüstung gebracht. Die Schäden alleine in den USA dürften sich auf 20 bis 40 Milliarden US-Dollar belaufen.


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