Mit Pollen viel Geld verdient

BIENEN ⋅ Agroscope-Forscher haben erstmals den Nutzwert der Bestäubungsleistung von Honig- und Wildbienen untersucht: Pro Jahr liegt er bei 350 Millionen Franken.
13. September 2017, 08:00

Die Schweizer Landwirtschaft produziert einen Ertrag von 350 Millionen Franken nur dank Bestäubung durch Honig- und Wildbienen. Für die Berechnung dieser Zahl stützte sich Louis Sutter von der Forschungsanstalt Agroscope auf den Leitfaden der Food and Agriculture Organisation (FAO) der UNO über die Abhängigkeitsrate verschiedener Kulturpflanzen von der Bienenbestäubung, wie die Agroscope gestern mitteilte.

Im Zuge der Untersuchung stellten Sutter und Kollegen zudem fest, dass die Bestäubung durch Bienen bei weitem nicht nur im Obstbau eine wichtige Rolle spielt, obwohl Obst und Beeren eine hohe Wertschöpfung erzielen und stark von Insektenbestäubung abhängig sind. Auch für Ackerkulturen sind Bienen wichtig: Auf 14 Prozent der Schweizer Ackerflächen finden sich demnach Nutzpflanzen, die von Bienenbestäubung abhängig seien, schrieb die Agroscope.

Beispielsweise sind der Ertrag und die Qualität von Raps, Sonnenblumen und Ackerbohnen von der Bestäubung durch Honig- und Wildbienen abhängig. Solche Ackerpflanzen machen sogar den Grossteil der insgesamt 50000 Hektaren bestäubungsabhängiger Kulturflächen in der Schweiz aus: 38000 Hektaren davon tragen bienenabhängige Ackerkulturen, 10000 Hektaren Obst und 3200 Hektaren Beeren.

Zu wenig Bienen im westlichen Mittelland

Sutter verglich ausserdem die Verteilung der Bienenvölker und der bienenabhängigen Kulturen. Defizite stellte er dabei im Wallis und im westlichen Mittelland fest: Hier fehle es an Bienen für eine ausreichende Bestäubung, so das Fazit. Für diese Gebiete sei es wichtig abzuschätzen, in welchem Umfang sich alternative Bestäuber einsetzen liessen oder andere Wildinsekten die Bestäubungslücke schliessen könnten.

Denn während die Wichtigkeit der Honigbiene für die Bestäubung unbestritten ist, wurde der Beitrag der Wildbestäuber, insbesondere von Wildbienen, lange unterschätzt. Gemäss weltweiten Schätzungen tragen Honig- und Wildbienen gleich viel zu dieser Wertschöpfung bei. Systematische Untersuchungen für die Schweiz gibt es dazu aber nicht. Für gewisse Kulturen wie Ackerbohnen oder viele Obstkulturen sind die Wildbienen effizientere Bestäuber. Im Gegensatz zur Honigbiene sind sie auch bei tieferen Temperaturen oder sogar bei leichtem Regen aktiv. Die Honigbiene hingegen hat den Vorteil, schon früh im Jahr in grosser Anzahl präsent zu sein. Honigbienen und Wildbienen bringen zusammen eine effiziente und gesicherte Bestäubung.

Sutter plädiert für landwirtschaftliche Massnahmen, um ­Bestäuber aktiv zu fördern: «Es braucht Nist- und Überwinterungshabitate sowie ein vielfältiges, kontinuierliches Nahrungsangebot, was man zum Beispiel durch Buntbrachen, Hecken oder Blühstreifen erreichen kann.» Jüngsten Studien zufolge könnten direktzahlungsberechtigte mehrjährige Blühstreifen auch ­einen positiven Effekt auf den ­Ertrag angrenzender Kulturen haben. (sda/Kn.)


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