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Ärzte könnten Trinkverhalten beeinflussen

GESUNDHEIT ⋅ Höhere Steuern auf Alkohol und weitere politische Schritte gegen Trinkexzesse könnten jedes Jahr Zehntausende Leben in den Industrieländern retten. Zu dieser Einschätzung kommen OECD-Experten.

Schon ein kräftiger Preisaufschlag von zehn Prozent auf Bier, Wein und Spirituosen könnte in Deutschland, Tschechien und Kanada den Anteil der Menschen, die gefährlich viel Alkohol trinken, um zehn Prozent senken, heisst es in einem am Dienstag in Paris vorgestellten Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Demzufolge trinken die Menschen in den Industrieländern zwar etwas weniger Alkohol als vor 20 Jahren. Allerdings gab es in vielen OECD-Staaten mehr Alkoholexzesse ("Binge Drinking") unter jungen Leuten. "Gefährliches Trinken nimmt zu", warnte OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Prävention als wirksames Mittel

Besonders positiv würde es sich den Berechnungen zufolge auswirken, wenn Ärzte ihre Patienten systematisch nach ihrem Trinkverhalten befragten und über Gefahren aufklärten. Die Fachleute halten auch eine Einschränkung der Alkoholwerbung und ein konsequenteres Vorgehen gegen Alkohol im Strassenverkehr für sinnvoll. Am grössten sei der Effekt, wenn verschiedene Ansätze gebündelt würden.

Auch teurere Massnahmen wie die Einbeziehung der Ärzte würden sich langfristig auszahlen, sagte Gurría. "Übermässiger Alkoholkonsum verursacht weltweit massive Kosten für die Gesellschaft und die Wirtschaft." Die höheren Ausgaben für das Gesundheitssystem und wirtschaftliche Einbussen durch Alkoholmissbrauch würden auf 1 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Schweizer trinken überdurchschnittlich

Die Schweiz liegt beim Alkoholkonsum über dem Durchschnitt der 34 Industriestaaten. Jeder Schweizer trinkt umgerechnet im Schnitt knapp 10 Liter reinen Alkohol pro Jahr, im Vergleich zum OECD-Schnitt von 9,1 Litern. Dabei werden 54 Prozent des Gesamtmenge von den 20 Prozent der Schweizer Bevölkerung konsumiert, die am meisten Alkohol trinken.

Für das Papier hatte die Industrieländer-Organisation in den vergangenen vier Jahren zahlreiche Studien ausgewertet und die Auswirkungen der politischen Massnahmen für Deutschland, Kanada und Tschechien simuliert. (sda/dpa)

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