Festnahmen nach Geiselnahme in Türkei

TÜRKEI ⋅ Einen Tag nach der tödlichen Geiselnahme in Istanbul haben Bewaffnete das Polizei-Hauptquartier der türkischen Metropole angegriffen. Eine mit einer Bombe bewaffnete Frau sei erschossen worden, teilte Gouverneur Vasip Sahin mit.

Ein Komplize und ein Polizist wurden laut Medienberichten verletzt. Als Reaktion auf die Geiselnahme wurden landesweit mehr als 60 Menschen festgenommen.

Die Frau und ihr Komplize griffen den Sitz der Istanbuler Polizeidirektion am Nachmittag an, die Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer. "Eine Terroristin, die eine Bombe und eine Schusswaffe trug, ist getötet worden", sagte Gouverneur Sahin.

Ihr Komplize sei angeschossen und festgenommen worden, berichteten die Nachrichtensender NTV und CNN-Türk. Zu den Motiven des Angriffs gab es zunächst keinerlei Angaben.

22 "Linksextremisten" verhaftet

Erst am Dienstag waren zwei Mitglieder der in der Türkei verbotenen linksradikalen Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) in ein Gerichtsgebäude in Istanbul eingedrungen und hatten den prominenten Staatsanwalt Mehmet Selim Kiraz in ihre Gewalt gebracht.

Nach sechs Stunden vergeblicher Verhandlungen stürmte die Polizei den Raum, die Geiselnehmer wurden getötet. Staatsanwalt Kiraz wurde so schwer verletzt, dass er auf dem Weg ins Spital starb.

Wie die offizielle Nachrichtenagentur Anadolu meldete, wurden allein im südtürkischen Antalya 22 mutmassliche Linksextremisten in Gewahrsam genommen. In den westtürkischen Städten Izmir und Eskisehir wurden jeweils fünf weitere Menschen festgenommen. Bei einer weiteren Polizeiaktion in Istanbul nahmen die Behörden 36 Studenten fest, die an einer Gedenkfeier für einen der Geiselnehmer teilgenommen hatten.

Angriff auf AKP-Gebäude

Staatsanwalt Kiraz ermittelte wegen des Todes von Berkin Elvan. Der 14-Jährige war im Jahr 2013 während der Gezi-Unruhen in Istanbul von einer Tränengaskartusche der Polizei am Kopf getroffen worden und nach monatelangem Koma im März 2014 gestorben.

Kiraz' Geiselnehmer hatten von den Behörden gefordert, sie sollten die Namen jener Polizisten veröffentlichen, die für den Tod des Jungen verantwortlich seien. Diese müssten vor ein "Volksgericht" gestellt werden.

Am Mittwoch wurde in Istanbul nicht nur die Polizeidirektion attackiert. Ein Bewaffneter drang auch in ein Gebäude der islamisch-konservativen Regierungspartei AKP von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ein. Eine Sondereinheit der Polizei stürmte das Gebäude und nahm den Mann fest. Über seine Motive war zunächst nichts bekannt.

Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu kündigte derweil ein konsequentes Vorgehen gegen jegliche Gegner an. Er sprach von einem "Bündnis des Bösen". "Wir werden nicht in diese Falle tappen, wir werden ihnen dieses Land nicht überlassen", sagte er nach der Trauerfeier für den getöteten Staatsanwalt. (sda/afp)


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