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Schlussplädoyers im Costa-Concordia-Prozess

SCHIFFSUNGLÜCK ⋅ Im Costa-Concordia-Prozess in Grosseto sind am Montag die Schlussplädoyers der Verteidigung fortgesetzt worden. Francesco Schettino, angeklagter Kapitän des Kreuzfahrtschiffs, fehlte wegen Erkrankung. Mit einem Urteil wird Mitte der Woche gerechnet.

Schettino habe mit seiner Entscheidung, nach der Havarie das Auslösen des Alarms zu verzögern, viele Menschenleben gerettet, sagte sein Verteidiger Domenico Pepe.

"Wenn Schettino einen Kilometer vor der Küste den Alarm ausgelöst hätte, wie er das nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätte tun sollen, wäre das Schiff ausser Kontrolle geraten. Nicht alle Rettungsboote hätten die Küste erreichen können. Schettino als erfahrener Seemann hat das Schiff bis fast zur Küste geführt und Menschenleben gerettet", sagte Pepe.

Der Anwalt klagte erneut, dass sein Mandant von der Staatsanwaltschaft schwer beleidigt worden sei. Ein Anklagevertreter hatte Schettino in seinem Plädoyer als eine Mischung aus "einem leichtsinnigen Optimisten und einem wendigen Idioten" bezeichnet. "In 40 Jahren als Rechtsanwalt habe ich niemals solche Beleidigungen eines Angeklagten gehört", erklärte der Verteidiger.

"Crew war völlig ungeeignet"

Schettino hat zwar eine Mitschuld eingeräumt, jedoch stets behauptet, seine Crew habe die entscheidenden Fehler gemacht. "Die Offiziere haben Schettino in den entscheidenden Momenten im Stich gelassen und sind verschwunden. Die Crew war vom professionellen Standpunkt aus völlig ungeeignet", sagte Pepe.

Die Staatsanwaltschaft wolle Schettino allein die Verantwortung für die Havarie aufhalsen. Vier Crewmitglieder und ein Manager der Reederei Costa Crociere hatten sich vor dem Prozess mit dem Gericht gegen Schuldeingeständnisse auf Haftstrafen bis zu knapp drei Jahren geeinigt.

Nach der Verteidigung hat wieder die Staatsanwaltschaft das Wort. Sie hat 26 Jahre und drei Monate Haft für Schettino gefordert. Mehrere Nebenkläger wollten sich ebenfalls noch äussern. Mit einem Urteil wird Mitte der Woche gerechnet. Schettino steht seit eineinhalb Jahren unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor Gericht. Die Costa Concordia war im Januar 2012 gekentert. 32 Menschen starben. (sda/apa)

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