Zucht von Freiberger Pferden rentiert nicht

LANDWIRTSCHAFT ⋅ Die Pferderasse der Freiberger hat als einzige einheimische Rasse mehr Unterstützung nötig. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht der Forschungsanstalt Agroscope. Die Branche ist aber zerstritten. Die einen wollen mehr Geld, die anderen sind zufrieden.

Fast 104'000 Vertreter der Pferdegattung - Pferde, Ponys, Esel, Maultiere und Maulesel - bevölkern die Schweiz. Im Jahr nimmt ihre Population um 4 Prozent zu. Mit etwa 20'000 Exemplaren stellt die Freiberger die bedeutendste Pferderasse im Land dar. Allerdings ist ihr Bestand rückläufig, wie Agroscope in dem vom Bundesrat veranlassten Bericht schreibt.

Knapp 55 Prozent der in der Schweiz geborenen Freiberger Fohlen erreichen das Alter von drei Jahren. Ab diesem Alter können die Tiere als Gebrauchspferde ausgebildet werden. 2013 waren das etwa 1200 Exemplare. Und das reicht nicht aus, um den 19-Prozent-Anteil der Freiberger am schweizerischen Pferdebestand zu erhalten.

Nicht gerade rentable Zucht

Die Freibergerzucht ist wenig attraktiv und kaum rentabel. Das kommerzielle Risiko ist gross, da ein Fohlen bis zur Marktreife zwischen vier und viereinhalb Jahre braucht. Obwohl die Freiberger Freizeitpferde sind, sind sie vom profitableren und effizienteren Sportpferdemarkt ausgeschlossen.

Gleichzeitig liegt aber der Anteil der Freizeitpferde am Schweizer Pferdemarkt zwischen 80 und 85 Prozent, wie Ruedi von Niederhäuser sagt, der Forschungsverantwortliche am Schweizerischen Nationalgestüt in Avenches VD. So könnten sich Investitionen in die einheimische Rasse durchaus lohnen.

Darum schlägt der Bericht als einzuschlagende Stossrichtungen auch die Marktbearbeitung, die Imageaufbesserung und die Verbesserung der Verkaufskanäle vor. Zusätzliche Geldmittel seien dazu nicht vonnöten, heisst es weiter.

Bessere Aufteilung der Mittel

Den anerkannten Organisationen angeschlossene Züchter erhalten aktuell 400 Franken pro Fohlen vom Bund. Zudem gibt es 500 Franken pro Pferd für die Erhaltung der Rasse. Für die Mehrheit der Züchter lässt sich über diesen Erhaltungsbeitrag reden. Subventionen könnten stattdessen beim Wurf eines Fohlens und im Alter von drei Jahren ausbezahlt werden.

Die fünf Millionen vom Bund für die Zucht ausgeschütteten Franken könnten zudem besser genutzt werden. Details nennt die Arbeitsgruppe in ihrem Bericht allerdings nicht. Dazu wäre ein neues Mandat zu einer vertieften Analyse nötig.

Kanton Jura und Züchterverband wollen mehr

Während die Mehrheit der Branche eigentlich zufrieden ist, fordert eine vom Kanton Jura und vom Züchterverband Fédération suisse du franches-montagnes (FSFM) gebildete Minderheit mehr Geld.

Diesen beiden Akteuren schwebt ein Exportbeitrag von mindestens 1000 Franken pro Freiberger Pferd vor, eine Einschränkung der Pferdeimporte sowie eine Steuererhöhung für alle aufgrund von WTO-Abkommen importierten Pferdeähnlichen. Zudem soll der Fohlenbeitrag steigen.

Das Bundesamt für Landwirtschaft nahm den Bericht zur Kenntnis und kündigte an, es gebe demnächst grünes Licht zur Feinabklärung offen gebliebener Punkte. (sda)


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