Papst Franziskus verbietet das Jammern

VATIKAN ⋅ Mit einer eigenwilligen Aktion versucht Papst Franziskus, für etwas mehr Optimismus und positives Denken im Vatikan zu sorgen.
16. Juli 2017, 09:53

Man könnte es fast ein Motuproprio nennen, also ein aus eigenem Antrieb verfasstes apostolisches Schreiben, mit welchem die Päpste ab und zu kleinere ­kirchenrechtliche oder administrative Änderungen verfügen. Davon hat Franziskus seit seiner Wahl vor gut vier Jahren schon einige verfasst.

Sein neustes Motuproprio weicht aber stark von der üblichen Form ab und sieht aus wie ein normales Verbotsschild: «Vietato lamentarsi», steht auf einem Schild, das seit einigen Tagen gut sichtbar an der Eingangstür zu seiner kleinen Wohnung im vatikanischen Pilgerheim Santa Marta angebracht ist, also: «Jammern verboten».

Unter dem Verbot selber folgen in kleinerer Schrift die kanonischen Strafandrohungen: «Zu­widerhandelnde Personen werden mit einem Opfersyndrom bestraft, mit dem schlechte Laune einhergeht sowie die verminderte Fähigkeit, Probleme zu lösen. Die Strafe wird verdoppelt, wenn die Zuwiderhandlung in der Gegenwart von Kindern erfolgt.»

Ein kleiner, aber ernst gemeinter Scherz

Weiter unten erteilt der Papst einen Ratschlag zur Prävention: «Wer das Beste aus sich herausholen will, muss sich auf seine eigenen Fähigkeiten und nicht auf seine Grenzen konzentrieren. Also hör auf zu jammern und tue etwas, um dein Leben zum Besseren zu ändern.»

Klar: Der Papst hat sich mit dem Verbotsschild – wieder einmal – einen kleinen, aber ernst gemeinten Scherz erlaubt. Und die Idee stammt nicht einmal von ihm selber, ist also auch kein Motuproprio: Franziskus hat das Plakat Mitte Juni bei einer Audienz auf dem Petersplatz vom Psychologen und Psychotherapeuten Salvo Noè geschenkt erhalten, wie die Turiner Zeitung «La Stampa» gestern berichtete.

Ein mit dem Papst befreundeter italienischer Priester habe das Verbot bei seinem letzten Besuch im Pilgerheim gesehen, mit der Einwilligung von Franziskus fotografiert und dann ins Internet gestellt. Dass dem stets lächelnden Papst «vom anderen Ende der Welt» das positive Denken ein wichtiges Anliegen ist, weiss man schon länger.

Das Lamentieren sollen Christen ablegen

Schon kurz nach seiner Wahl hatte er bedauernd festgestellt, dass einige «melancholische Christen ein Gesicht machten, als hätten sie gerade in Essig eingelegte Peperoncini gegessen, statt dass sie sich freuten, ein schönes Leben zu haben». Und in seiner En­zyklika «Evangelii gaudium» («Freude über das Evangelium») hat er die Christen aufgefordert, die Angewohnheit des unablässigen Lamentierens abzulegen.

Das Plakat mit dem Jammer­verbot straft auch all diejenigen Vatikan-Experten Lügen, die nach den jüngsten personellen Eklats im Kirchenstaat geschrieben hatten, der Papst sei selber bedrückt und mutlos. Der vatikanische Finanzchef wurde wegen Missbrauchsvorwürfen von Papst Franziskus Ende Juni beurlaubt und der Glaubenshüter in die Wüste geschickt.

«Dummes Geschwätz», betonte nun der Priester, der das Plakat an der Tür von Papst Franziskus abgelichtet hat. «Ich erlebte den Franziskus entspannt und heiter», zitierte die «Stampa» den Papstvertrauten.

 

Dominik Straub, Rom


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