Rodmans Rückkehr

NORDKOREA ⋅ Ex-Basketballstar Dennis Rodman besucht erneut Diktator Kim Jong Un. Gesponsert wird die Reise von einer Marihuana-Währung.
14. Juni 2017, 09:10

Daniel Kestenholz, Bangkok

Dennis Rodman, selbst ernanntes Enfant terrible der US-Diplomatie, holt zu einem neuen Überraschungscoup aus: Der frühere NBA-Profi wurde gestern auf dem Pekinger Flughafen gesehen, im Transitbereich für den Weiterflug nach Nordkorea, wo er noch gleichentags eintraf. Rodman gilt als der erste Amerikaner, der Nordkoreas Jungdiktator Kim Jong Un nach dessen Aufstieg an die Macht getroffen hat und Kim inzwischen seinen Freund nennt.

Gesponsert wird Rodmans Rückkehr nach Nordkorea von PotCoin, einer digitalen Währung für die legale Marihuana-Industrie. Ein PR-Video zeigte Rodman mit einem PotCoin-Vertreter, der allen Ernstes sagte, Rodman sei der «einzige Mensch, der ein Freund beider Völker ist».

Damit hat der Sponsor von Rodmans neuerlicher Nordkorea-Reise nicht einmal so Unrecht: Der ehemalige NBA-Star ist der einzige prominente Amerikaner, der Nordkorea regelmässig besucht und Zutritt zu Nordkoreas paranoider Spitze hat.

Ein Freundestreffen mit Kim bei seiner letzten Nordkorea-Reise dagegen war in letzter Minute gescheitert, weil Rodman nach eigener Aussage stockbesoffen war und sich später einem Alkoholentzug unterzog, wo er sich dann auch zum Thema US-nordkoreanischer Versöhnungspolitik interviewen liess. Rodmans Verständnis von Politik mag etwas ungeschliffen anmuten. Er hält wenig von sachbezogener, vorsichtiger Diplomatie, doch es gibt niemanden ausser Rodman, der sozusagen als Goodwill-Botschafter zwischen beiden Nationen verkehrt im Bestreben, die beiden Streithähne einander näherzubringen.

Kim habe ihm im Vertrauen gesagt, so Rodman, er möge Amerika und dessen Werte, und Ex-US-Präsident Barack Obama riet Rodman, einfach den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und Kim anzurufen. Ob ernst gemeint oder nicht, auch US-Präsident Donald Trump sagte schon, es wäre ihm eine Ehre, Jungdiktator Kim zu treffen, unter den richtigen Umständen wohlgemerkt. Doch mit dem Segen Washingtons ist Rodman auch dieses Mal nicht nach Nordkorea gereist. Über die Natur seiner neuerlichen Mission schweigt er. Darüber werde er nach seiner Rückkehr in die USA sprechen.


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