Schatz am Strand

Jeder bückt sich nach Muscheln im Sand. Ein Überblick über die häufigsten Fundstücke.
13. August 2017, 04:38

Sie sind alt, sehr alt. Seit mehr als 500 Millionen Jahren bevölkern sie die Erde, haben sogar das grosse Massenaussterben der Dinosaurier überlebt. Wer ihnen das Leben schwer macht, ist der Mensch. Die Meeresverschmutzung macht Muscheln zu schaffen. Sie sind sogenannte Filterfresser, sie saugen Meerwasser ein und fressen das darin enthaltene Plankton. Dabei filtrieren sie alle Stoffe, nehmen also auch Öl oder Mikroplastik auf. Öl verklebt die Kiemen der Muscheln, im Gewebe eingelagertes Mikroplastik kann zu Infektionen oder Vergiftungen führen. Zudem breiten sich durch den Menschen invasive Muschelarten schneller aus. So ist die Weisse Bohrmuschel nur noch selten an den Stränden von Ost-, Nordsee und Mittelmeer zu finden, die Amerikanische Bohrmuschel verdrängt sie. Seltene (und dadurch teure) Muscheln werden durch Sammler und Händler bedroht, seit der späten Renaissance ist Muschelsammeln ein beliebtes Hobby. Doch die Fundstücke, die eifrige Kinderhände in den Ferien am Strand auflesen, darf man getrost mit nach Hause nehmen: Das sind die Überbleibsel der verstorbenen Tiere. Es gibt circa 10000 Muschelarten, der Grossteil (80 Prozent) lebt im Meer, der Rest sind Süsswassermuscheln.

Herzmuschel

Die Form gab den Namen: Schaut man die (geschlossene) Muschel von der Seite an, sieht sie aus wie ein Herz. Sie ist die am häufigsten vorkommende Art in Europas Meeren, ihr Lebensraum erstreckt sich von Nordnorwegen bis Nordafrika. Jeder, der Muscheln sammelt, hat sie sicher gefunden. Das Fleisch dieser Muschel ist essbar. Auch die verwandte «Stachelige Herzmuschel» lebt in hiesigen Meeren, sie besitzt, wie der Name es sagt, spitze Stacheln.  

Steckmuschel

Die stachelige Steckmuschel lebt im Mittelmeer und im Atlantik, sie wird 20 bis 25 Zentimeter gross. Auch die verwandte Edle Steckmuschel lebt im Mittelmeerraum, sie wird bis zu 80 Zentimeter gross. Wegen Umweltverschmutzung und Überfischung ist die essbare Edle Steckmuschel stark bedroht. Sie verankert sich mit golden schimmernden Byssusfäden im Boden. Diese wurden von der Antike bis in die frühe Neuzeit geerntet und zu Meeresseide verwoben. 

Zebramuschel

Die Zebramuschel wird auch Wandermuschel genannt. Die Süsswassermuschel ist mittlerweile auch in Schweizer Seen heimisch geworden. Sie heftete sich an Schiffe und eroberte so, vom Schwarzen Meer kommend, die europäischen Süssgewässer. Durch den weltweiten Schiffsverkehr breitete sie sich in den 1980er-Jahren bis in die grossen Nordamerikanischen Seen aus. Dabei verdrängt sie einheimische Muschelarten. Durch ihr rasantes Wachstum können Zebramuscheln Rohrleitungen verstopfen.

Pazifische Auster

Ursprünglich kommt sie aus dem westlichen Pazifik, doch mittlerweile findet sich die pazifische Auster weltweit als Zuchtauster. Von den Farmen breitete sie sich weiter aus, sie wurde im Mittelmeer und sogar in der Nordsee heimisch. Die Europäische Auster hingegen gilt in der Nordsee als ausgestorben. Heimisch ist die Europäische Auster im Atlantik von Norwegen bis Portugal sowie im Mittelmeer, Austernbänke kommen nur noch vereinzelt vor. Es wird versucht, sie wieder in der Nordsee anzusiedeln.

Schotenmuschel

Die «Ensis siliqua» ist auch als Schwertmuschel bekannt. Sie gehört zur Familie der Scheidenmuscheln und ist in allen europäischen Meeren beheimatet. Sie lebt im Feinsand im flachem Wasser, wo sie sich mit Hilfe ihres Fusses grabend fortbewegt. In Nord- und Ostsee findet man heute zudem viele Amerikanische Schwertmuscheln.  Larven dieser Muscheln kamen vermutlich im Ballastwasser von Schiffen Ende der 1970er-Jahre in die Nordsee, wo sie sich rasch und stark vermehrten. 

Venusmuschel

Venusmuscheln kommen in über 400 Arten weltweit in warmen Gewässern vor. In Europa findet man die Gemeine Venusmuschel. Mit feinen konzentrischen Linien gemustert, ist sie beliebt auf dem Teller (der Klassiker auf italienischen Menukarten: Spaghetti alle vongole) und als Strandfundstück. Doch im Vergleich mit den Venusmuscheln aus den Tropen, die durch extravagante Farben und Muster auffallen, wirkt die gelbweiss bis rotbraune Gemeine Venusmuschel etwas bieder. 

Miesmuschel

Die essbare Miesmuschel ist weltweit verbreitet – und wird weltweit in (für Muschelverhältnisse) grossen Mengen verspeist. Sie wird acht Zentimeter gross und lebt an felsigen und steinigen Küsten. Wie die Steckmuschel verankert sich die Miesmuschel mit Hilfe eines Bsyssusfadens am Untergrund. Doch dieser hat keine ausreichende Qualität, um verwoben zu werden. Er dient aber als Vorbild für die Entwicklung neuer Klebstoffe, die in feuchter Umgebung funktionieren.

Jakobsmuschel

Die bis zu 14 Zentimeter grosse Jakobsmuschel, auch Pilgermuschel genannt, ist im Mittelmeer heimisch. Sie wird kommerziell befischt. Sie dient als Kennzeichen der Pilger des Jakobswegs – und als Logo einer grossen Mineralölfirma.  Die Jakobsmuschel, die bis in Tiefen von 200 Metern lebt, kann vor Fressfeinden flüchten, indem sie ihre Schalen blitzschnell zusammenklappt und durch diesen «Raketenantrieb» ein bis zwei Meter davonschiesst. 
 

Julia Nehmiz

Quellen: Naturmuseum St. Gallen, Toni Bürgin, S. Peter Dance, «Muscheln und Schnecken».


 

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