Die eigene Drohne: selber einmal der Überflieger sein

TEST ⋅ Drohnen sind heute allgegenwärtig. Das weckt Begehrlichkeiten nach noch mehr: Wäre doch super, auch mal so ein Ding zu fliegen, warum auch immer. Unser Autor hat es gemacht.
24. Dezember 2017, 09:27

Michael Graber

Es gibt sie, so Dinge, die man unbedingt haben möchte, obwohl man gar nicht recht weiss, wozu man sie gebrauchen könnte. Bei mir war das eine Drohne.

Fasziniert beobachtete ich ­jeweils, wenn irgendwo summend eine Drohne gegen oben entschwand, wo sie dann friedlich weitersummend schwebte. Die auf der Erde Zurückgeblieben schauten der Drohne sehnsüchtig nach. Da spielte wohl auch immer der Wunsch mit, dass man selber fliegen könnte. Das kann ich nachvollziehen. Alles, was danach kommt, nicht mehr so ganz. Und mit knappen Familienbudget und abgeschlossener Pubertät genügt fröhliches Summen nicht mehr als Kaufgrund.

Bei anderen offenbar schon, und es ist auch anzunehmen, dass dieses Jahr unter zahlreichen Weihnachtsbäumen eine Drohne liegt. Alleine beim Online-Händler Digitec wurden bereits 2016 in der Schweiz mehrere tausend Drohnen verkauft. Irgendetwas muss also dran sein, das übers Summen hinausgeht.

Steuerung per Smartphone

Es war dann auch besagter Online-Händler, der mir mit der «Dji Spark» netterweise ein Testgerät zur Verfügung stellte. Sie ist kaum grösser als ein Taschenbuch und gerade einmal 300 Gramm schwer – oder leicht. Gesteuert wird das Ding mit seinen zwei schwenkbaren Kameras (12 MP, Full HD) recht komfortabel per Mobiltelefon. Nach verblüffend einfacher Installation ist bald alles bereit für den Jungfernflug. Zuerst noch auf den Nachbar warten, der will unbedingt auch dabei sein. Und natürlich Bier in den Kühlschrank tun: Grosse Momente schreien nach grossen Getränken.

Das Testgerät des Autors: die «Dji Spark Alpine White». (© Bild: pd) Zoom

Das Testgerät des Autors: die «Dji Spark Alpine White». | Bild: pd

Und sie schwebt. Fröhlich summend fliegt «Spark» nach oben. Erst 15, dann 25, dann 50 Meter hoch. Auf dem Handybildschirm sehen wir uns kleiner und kleiner werden, und wir winken fröhlich in die Kamera.

Nach wenigen Minuten heisst es aber bereits wieder landen (was auch keine Hexerei ist). Der Akku ist leer. Das Bier wird geöffnet. Bis der Akku wieder voll ist, dauert es rund 90 Minuten. Zeit, um darüber zu sinnieren, was man alles mit einer solchen Drohne an­stellen könnte.

Er kenne Architekten, meint der Nachbar, die solche Dinger tatsächlich brauchten. Sie würden dann nach oben fliegen und Fotos machen. Auf diese Weise könne man abschätzen, wie die Aussicht aus den jeweiligen Stockwerken sei.

Wir sind dummerweise beides keine Architekten, und so ­er­kunden wir beim zweiten Flug vor ­allem, wie unsere Häuser von oben aussehen (schön), und ob der andere Nachbar die Terrasse aufgeräumt hat (naja).

Wie wir da konzentriert am Fliegen sind, läuft auf der Strasse ein Anwohner vorbei, der erst etwas ratlos schaut und dann meint «Ah, Männerspielzeug». Es klingt fast etwas bemitleidend.

In den nächsten Tagen fliegt – sofern es Wind und Wetter er­lauben – «Spark» immer mal ­wieder übers Quartier und macht kurze Filme und Fotos. 90 Prozent der Aufnahmen sind aber tendenziell unbrauchbar, wobei das weit weniger an der Kamera liegt als vielmehr am Steuermann. Ein gutes Bild will geübt sein. Dafür sind die 15-minütigen Flugphasen aber etwas kurz.

Selbstverständlich könnte man weitere Akkus dazukaufen. Aber ob scharf oder unscharf: Fotos von unserem Haus aus der Luft finde ich so mittelspannend, Architekt bin ich wie bereits erwähnt auch nicht, und ob ich ­tatsächlich ein Spielzeug mehr brauche, bezweifle ich ein wenig (auch, weil es mich gegenüber den Kindern in Erklärungsschwierigkeiten bringen würde).

Geheimnisse nicht gelüftet

Natürlich hätte es einen gewissen Reiz, mit der Drohne Wohnungen auszukundschaften und mal in Winkel und Ecken zu spähen, die man sonst vom Boden aus nie sieht. Aber in einem nicht so dicht besiedelten Gebiet wäre der Urheber solcher Erkundungs­flüge wohl schnell eruiert und bald darauf das Dorfgespräch. Ich lasse das lieber bleiben.

Mit der Zeit wird das deshalb fröhliche Summen weniger. Die Freude an der Drohne ist nicht ganz gegroundet, aber auf Dauer würde es ihr bei uns wohl ergehen wie dem Roboterstaubsauger. Den musste ich unbedingt haben, mittler­weile scheint er mir aber unterbeschäftigt.

Trotzdem, ich kann mir vorstellen, dass Drohnenfliegen und Drohnenfotografie ein wunderbares Hobby sein kann. Ich will mich gar nicht lustig machen darüber oder jedenfalls nicht mehr als über x andere Hobbys auch. Selber aber habe ich generell eher zu wenig als zu viel Zeit, und ich schaffe es nicht einmal mit einer normalen Kamera, wirklich gute Fotos zu machen.

Zum Glück sind die Geschmäcker verschieden, denn wenn alle eine Drohne hätten, würde aus dem fröhlichen Summen bald ein bedrohliches Rauschen werden. Und ich müsste den Garten besser aufräumen, weil ihn alle sehen könnten. Damit wäre niemandem geholfen.

Hinweis

Die «Dji Spark Alpine White» gibt es zum Preis von 479 Franken unter anderen bei www.digitec.ch

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