Fünf Euro für eine Frau

PROSTITUTION ⋅ Zuhälter überschwemmen mit nigerianischen Mädchen Brüssel und Europa und zwingen die jungen Frauen, ihre sexuellen Dienste zu Niedrigpreisen anzubieten.
14. Januar 2018, 09:26

Sie kommen meist aus Nigeria. Sie sind jung, und sie müssen in der belgischen und europäischen Hauptstadt Brüssel für eine nigerianische Zuhälterin anschaffen gehen. Und nicht nur dort, auch in vielen anderen europäischen Städten.

Schon im Alter von 14 bis 16 Jahren werden die Mädchen von professionellen Schlepperbanden von Nigeria über Libyen im Auftrag ihrer nigerianischen «Puffmütter» nach Europa geschleust. Ziel: das Rotlichtviertel in der belgischen Hauptstadt. Dort sollen sie so schnell wie möglich mindestens 40'000 Euro verdienen, um ihre Schulden für die Reise nach Europa zurückzubezahlen. «Tausende nigerianische Mädchen werden nach Europa geschmuggelt, um sich als Prostituierte zu verdingen. Alleine in Brüssel arbeiten einige hundert auf dem Strich», berichtet Franz Manuel Vandelook, polizeilicher Ermittler in Sachen Prostitution in Brüssel, in der Zeitung «De Standaard». «Die Situa­tion ist erschreckend, es ist wie im Mittelalter, es findet die pure Sklaverei und Ausbeutung der Frauen statt, aber das ist Brüssel anno 2018», so Vandelook weiter.

Voodoo-Zeremonien und professionelle Schlepper

Die jungen Mädchen würden in einer Voodoo-Zeremonie in Nigeria davon überzeugt, dass sie nach Europa reisen müssten, um dort ihr Glück zu finden. «Sie wissen nicht, was ihnen dort blüht. Schon während ihrer Reise nach Europa werden sie oft von ihren Schleppern vergewaltigt. Es ist ein professionell organisierter Ring von Menschenschmugglern, der hier tätig ist», so der polizeiliche Ermittler.

Die Flut dieser Mädchen führe zu einem knallharten Konkurrenzkampf unter den Frauen, die sich für Geld verkaufen. «Manche bieten ihre sexuellen Dienste in Brüssel schon für fünf Euro an», so die Brüsseler Polizei. «Sie haben in der Regel 15 oder mehr Kunden pro Tag, um ihre «Madam» in Nigeria bezahlen zu können. «Sie werden von nigerianischen Zuhältern überwacht. Sie haben Angst, und sie arbeiten sieben Tage die Woche», weiss Ermittler Vandelook.

In Nigeria sei die Prostitution ein gesellschaftlich akzeptiertes Phänomen. Da sich die Bevölkerung in dem heute schon rund 150 Millionen Einwohner zählenden Land Afrikas rasant vermehre, sei damit zu rechnen, dass in Zukunft mehr und mehr junge Mädchen aus Nigeria zwecks Prostitution nach Europa geschleust würden.

 

Helmut Hetzel

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