Sport für die ganz Harten

KÄLTESCHOCK ⋅ Joggen im Freien trotz klirrender Kälte, aber auch Winterschwimmen liegen im Trend. Es sind aber ein paar Risiken und Vorsichtsmassnahmen zu beachten.
10. November 2017, 07:59

Angela Bernetta

Zu nass, zu kalt, zu dunkel: Der durchschnittliche Hobbysportler verzichtet im Winter auf kräftezehrende Aktivitäten im Freien und lässt es sich auf dem Sofa gut gehen. Nur die Harten steigen bei klirrender Kälte in den See oder joggen bei Minustemperaturen. «Grundsätzlich wirkt sich regelmässiger Sport im Freien positiv auf unsere Abwehrkräfte aus. Dies unabhängig von der Jahreszeit und den herrschenden Temperaturen», sagen Nora Wieloch, Sportärztin an der Universitätsklinik Balgrist in Zürich, und ihr Kollege Stefan Fröhlich. Laut den Sportmedizinern gibt es sogar Hinweise, dass bei regelmässigem Winterschwimmen die oberen Atemwege weniger häufig von Infekten befallen werden.

Dennoch ist das Schwimmen im eisigen Nass nicht ungefährlich und birgt gesundheitliche ­Risiken wie Unterkühlung und Herzrhythmusstörungen. «Wenn wir ins eiskalte Wasser steigen, verengen sich die Blutgefässe sofort. Das Herz beginnt zu rasen, der Blutdruck steigt. Das Blut strömt in die lebenswichtigen ­inneren Organe und weniger in Arme und Beine. Verlangsamt sich der Herzschlag wieder, kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen.»

Körper auf Kälteschock vorbereiten

Gleichwohl schwärmen Schwimmer von der wohltuenden Wirkung eines Bades bei klirrender Kälte. Man fühle sich frisch und munter, Haut und Schleimhäute seien angenehm durchblutet. «Winterschwimmer sollten sich langsam an die sinkenden Temperaturen gewöhnen», raten die Sportmediziner. Mit Wechselduschen und/oder einem täglichen Bad im See das ganze Jahr über kann man sich vorbereiten.

In vielen grossen Schweizer Städten gibt es Clubs für Leute, die jahraus, jahrein schwimmen wollen. Sie treffen sich an Seen, Flüssen und in Badeanstalten zum gemeinsamen Schwimmen auch im Winter. «Nie sollte man länger als fünf Minuten im kalten Wasser bleiben», warnen Ärzte. Und dies auch nur dann, wenn der Körper angemessen auf den Kälteschock vorbereitet wurde.

Beim Joggen gibt es keine klaren Werte, was die Dauer angeht. Der Körper wappnet sich mit einer Isolationsschicht aus Fett gegen die Kälte. «Dennoch gilt, sich mit Funktionskleidung zu schützen und eine Mütze zu tragen, da sonst viel Wärme über den Kopf verloren geht», sagen die Ärzte. «Frieren wir stark, sorgt Muskelzittern an Armen und Beinen für eine konstante Körpertemperatur.» Ist dieser stark unterkühlt, hilft Wärme von aussen.

Ärztlicher Check-up ab Mitte vierzig

Ernährungsempfehlungen geben die Ärzte keine ab. «Eine gesunde und ausgewogene Kost ist bei allen Sportarten ratsam. Wesentlich ist, dass diese dem Energieverbrauch angepasst wird.» Wer an Kreislauf- und/oder Herzproblemen leidet oder von einem Infekt befallen ist, sollte von sportlichen Herausforderungen absehen. «Im Allgemeinen empfehlen wir einen ärztlichen Check-up bei allen sportlichen Aktivitäten – für Männer ab 45 und für Frauen ab 55 Jahren.»


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