Pizza Margherita soll zum Weltkulturerbe werden

ITALIEN ⋅ Die neapolitanische Pizza Margherita soll zum Weltkulturerbe werden: Die Unesco will noch in dieser Woche über die Aufnahme in die berühmte Liste entscheiden.
07. Dezember 2017, 07:48

Dominik Straub, Rom

Pizza und Italien – das sind zwei Begriffe, die ohne einander nicht denkbar wären. «Pizza» ist laut einer Studie auch das weltweit bekannteste italienische Wort, noch vor «Spaghetti». Eine runde Sache – und dabei relativ einfach und günstig zuzubereiten: Eine dünne Unterlage mit Hefeteig aus Weissmehl, natürlicher Hefe und Salz, darauf etwas Tomatensauce, Mozzarella und ein paar Basilikumblätter – und ab in den Holzofen.

Die Original-Pizza, die Pizza Margherita, ist nicht nur ein identitätsstiftender Teil der reichen italienischen Küche, sondern seit 2010 auch mit dem EU-Qualitätssiegel S.T.G. (garantiert traditionelle Spezialität) geschützt. Der nächste Schritt, die Aufnahme ins Unesco-Weltkulturerbe, erscheint da nur logisch.

Streng genommen würde nicht die Pizza selber, sondern «die Kunst der neapolitanischen Pizzaioli» (Pizzabäcker) in die Lis­te der immateriellen Weltkulturgüter aufgenommen. Das ist jene Liste, auf der Volksbräuche, traditionelle Handwerkskünste und Ähnliches verzeichnet sind. Die neapolitanischen Pizzaioli befänden sich bei einem positiven Entscheid künftig in Gesellschaft mit den Geigenbauern von Cremona oder mit den spanischen Flamenco-Tänzern. Auch die französische und die mediter­rane Esskultur sind bereits zu ­immateriellen Weltkulturgütern erklärt worden. Dass aber ein Einzelgericht – die Pizza Margherita eben – in die Unesco-Liste aufgenommen wird, wäre eher ungewöhnlich.

Zwei Millionen Unterschriften gesammelt

Die Chancen stehen aber gut, glaubt der ehemalige italienische Umweltminister und Grünen-Politiker Alfonso Pecoraro Scanio. Der 58-jährige Süditaliener aus Salerno ist zusammen mit dem Kleinbauernverband Coldiretti und der neapolitanischen Pizzerienkette Rosso Pomodoro Initiant und Förderer der Unesco-Kampagne für die Pizza Margherita. In den Pizzerien ­Italiens sowie auf dem Internet-Portal change.org haben Peco­raro Scanio und seine Mitstreiter über zwei Millionen Unterschriften für eine Petition gesammelt, die sie im März dieses Jahres am Pariser Sitz der Unesco übergeben haben.

«Würden die neapolitanischen Pizzaioli in die Unesco-­Liste aufgenommen, wäre dies ein wichtiger Sieg einer authen­tischen Handwerkskultur über die globalisierte Produktion der ­Nahrungsmittelmultis», betont der Ex-Minister.

Die Pizza Margherita wurde der Überlieferung nach im vorletzten Jahrhundert vom Pizzaiolo Raffaele Esposito erstmals gebacken. Beim Besuch der in Neapel sehr beliebten italienischen Königin Margherita von Savoyen am 11. Juni 1889 habe Esposito der Königin das ihr gänzlich unbekannte Fladenbrot serviert. Auf ihre Frage, wie das Gericht denn heisse, habe Esposito charmant improvisiert: «Pizza Margherita» – zu Ehren der Königin. Die Pizza, die Esposito für die ­Königin kreierte, trug die Nationalfarben des noch jungen, erst wenige Jahre zuvor geeinten Italiens: Grün wie das Basilikum, Weiss wie der Mozzarella, Rot wie die Tomate.

Klassisches Armeleutegericht

Pizzen hatte es natürlich schon lange vor dem königlichen Besuch in Neapel gegeben, vermutlich schon in der Antike. Sie war das klassische Armeleutegericht, auf dem mit Vorliebe Essens­reste wiederverwertet wurden. Der Fantasie der Pizzaioli waren schon damals keine Grenzen ­gesetzt – auf der Pizza landeten Fisch und Vogel und alle Arten von Früchten und Gemüsen.

Verbreitet waren vor allem die «rote» Pizza Marinara mit ­Tomatensauce und Knoblauch (aber ohne Käse) sowie die Pizza bianca mit Mozzarella (aber ohne Tomaten). Esposito musste die beiden Grundrezepte letztlich bloss noch kombinieren und den Knoblauch durch ein Basilikumblatt ersetzen, und schon war die italienische Nationalspeise – und möglicherweise ein Unesco-Weltkulturerbe – erfunden.

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