2014 war kein gutes Jahr für Journalisten

MEDIEN ⋅ Das Jahr 2014 war kein gutes Jahr für die Medienfreiheit: Laut dem am Donnerstag veröffentlichten Jahresbericht der Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG) verschärften sich die weltweiten Arbeitsbedingungen für Journalisten im Vergleich zum Vorjahr deutlich.

12. Februar 2015, 15:09

"Es gab eine allgemeine Verschlechterung, die mit verschiedenen Faktoren zusammenhängt", sagte der Vorsitzende der in Paris ansässigen Journalistenorganisation, Christophe Deloir. Als Gründe nannte er unter anderen "Kriege um Informationen" sowie nichtstaatliche Akteure, die sich "wie Despoten" verhielten.

Im vergangenen Jahr registrierte ROG 3719 Verstösse gegen die Medienfreiheit in 180 Ländern, 8 Prozent mehr als im Jahr 2013. In Konflikten wie in der Ukraine oder im Nahen Osten würden Journalisten gezielt getötet, entführt oder erpresst, heisst es im Jahresbericht. In zwei Dritteln der 180 ausgewerteten Länder habe sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert.

2014 wurden weltweit 119 Entführungen von Journalisten gezählt - über ein Drittel mehr als im Jahr zuvor. 139 Journalisten und 20 Bürgerjournalisten, etwa Blogger, flohen vor Drohungen, Gewalt oder staatlichen Repressalien ins Ausland. 66 Journalisten wurden bei der Arbeit getötet. Ende 2014 waren zudem weltweit 178 Journalisten in Haft.

Der Iran, China, Syrien und Nordkorea landeten auf der Rangliste der Medienfreiheit unter den letzten Plätzen von 180, das Schlusslicht auf dem Index ist Eritrea. Am besten schnitten Finnland, Norwegen und Dänemark ab, gefolgt von den Niederlanden und Schweden. Deutschland kam auf Platz 12, Frankreich auf Platz 39, die USA auf Platz 49 und Russland auf Platz 152.

Schweiz verliert an Boden

Die Schweiz verlor fünf Ränge und landete auf Platz 20. Sie zählt damit laut ROG-Medienmitteilung zu den Ländern, in denen die Situation der Informationsfreiheit als "gut" bewertet werden.

Eine bessere Rangierung sei verhindert durch einzelne Rechtsfälle, durch die zunehmende Medienkonzentration, die Folgen der schwierigen wirtschaftlichen Situation der Medien sowie durch Entwicklungen im rechtlichen Bereich - gemeint sind Öffentlichkeitsprinzip, Transparenz, Whistleblowing.

Die Schweizer Expertinnen und Experten kritisieren die Konzentration bei der Presse. Die meisten Printmedien seien im Besitz weniger Medienhäuser, zudem würden zunehmend Redaktionen verschiedener Medientypen zusammengelegt. "Beides führt zu einem Rückgang der Stimmenvielfalt", schreibt ROG.

Der Journalistenorganisation stiessen 2014 insbesondere zwei Rechtsfälle sauer auf: eine gerichtliche Ausstrahlungsblockade von zwei Reportagen des Westschweizer Radios und Fernsehens (RTS) in der sogenannten "Affäre Giroud" sowie ein Bundesgerichtsurteil zu einem Porträt der "Basler Zeitung" über einen Hanfhändler, das das Strafverfolgungsinteresse höher als den Quellenschutz wertete. (sda/afp)


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