Berufsbildungsreform gegen Fachkräftemangel

UHRENINDUSTRIE ⋅ Nach zehnjähriger Arbeit ist die Berufsbildungsreform in der Uhrenbranche abgeschlossen. Die neuen Berufsrichtungen, die angepassten Inhalte und die neuen Berufsbezeichnungen sollen den Ansprüchen der Uhrenindustrie nun gerecht werden und mehr Fachkräfte hervorbringen.

12. März 2015, 17:59

Die Uhrenindustrie beschäftigt in der Schweiz 58'000 Personen. Das ist aber nicht genug - sie braucht noch mehr Personal. Mit der nun abgeschlossenen Reform habe die Branche sämtliche Werkzeuge in der Hand, um den Nachwuchs zu fördern, teilte der Arbeitgeberverband der Schweizer Uhrenindustrie mit.

Der Verband hatte die Reform einst angestossen und präsentierte die Ergebnisse am Donnerstag in Le Locle NE. Für jede Etappe der Uhrenherstellung gibt es einen speziellen Beruf. Die Palette dieser Uhrenberufe wurde mit der Reform komplett überarbeitet und enthält nun sieben verschiedene Berufe mit 13 verschiedenen Fachrichtungen.

Aufgabenteilung

Eines der Ziele der Reform war die Aufgabenteilung zwischen den Berufen, die in zwei Jahren erlernt, und jenen die in drei bis vier Jahren erlernt werden. Erstere, mit eidgenössischem Berufsattest (EBA), sind auf die Praxis ausgerichtet. Zweitere, mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ), sollen auch Kenntnisse über den gesamten Arbeitsablauf im Unternehmen vermitteln.

So arbeitet ein sogenannter Uhrenarbeiter EBA vornehmlich an der Werkbank und unter der Verantwortung von qualifizierten Uhrmachern. Ein Uhrmacher Produktion EFZ hingegen hat das gesamte Atelier im Blick und kennt den Arbeitsablauf. Der Uhrmacher EFZ wiederum konzentriert sich auf sämtliche Produktionsschritte und das Funktionieren des gesamten Unternehmens.

Dazu kommen die Ausbildungen zum Mikrozeichner EFZ, Mikromechaniker EFZ und Polisseur EBA sowie Oberflächenveredler Uhren und Schmuck EFZ. Auch diese wurden angepasst und umfassen Spezialisierungen.

Die Reorganisation erweitere das Feld jener Menschen, die in der Uhrenindustrie arbeiten könnten. Mit der Reform hätten beispielsweise auch Jugendliche eine Chance auf eine Lehre, die zwar Mühe in der Schule hätten, aber sehr geschickt und präzis arbeiten könnten, erklärte der Arbeitgeberverband der Schweizerischen Uhrenindustrie.

Rekordzahl an Lernenden

Für die Reform konnten die Uhrenunternehmen - kleine wie grosse - ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche einbringen. Der Arbeitgeberverband zählt nun auf sie, um mehr Nachwuchs auszubilden. Zudem will der Verband selbst bei den Jugendlichen für die neuen Ausbildungen werben.

Die Änderungen sind zwischen 2010 und 2015 in Kraft getreten. Die Branche ernte bereits die ersten Früchte der Reform, sagte François Matile, Generalsekretär des Arbeitgeberverbandes.

Im vergangenen Jahr haben laut dem Verband 472 Jugendliche einen Lehrvertrag für einen Uhrenberuf unterzeichnet - das sei ein neuer Rekord. Davon machten 43 Prozent eine duale Ausbildung in einem Unternehmen; besonders viele als Uhrenarbeiter EBA und Mikromechaniker EFZ.

In den letzten zehn Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten in der Branche um 56 Prozent. Die Zahl der Lernenden stieg um 75 Prozent und die Zahl jener, die eine duale Ausbildung machten, sogar um 150 Prozent. (sda)


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