Bund kauft ein Pilatus-Flugzeug

PC-12 ⋅ Der Stanser Flugzeugbauer kann dem Bund erneut ein Flugzeug liefern. Für einmal ist aber nicht die Luftwaffe die Empfängerin.
08. Oktober 2016, 21:23

Es ist in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Der Bund kauft ein Pilatus-Flugzeug vom Typ PC-12. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt hat der Stanser Flugzeugschmiede am Dienstag den Zuschlag für die Lieferung eines PC-12 NG erteilt, wie aus einer entsprechenden Publikation auf der öffent­lichen Beschaffungsplattform Simap hervorgeht.

Das einmotorige Propellerflugzeug hat Pilatus auf dem Markt ziviler Luftfahrzeuge wieder zu einem wichtigen Player werden lassen. Seit 1994 haben die Stanser 1400 Exemplare davon verkauft. Der Bund greift bei dieser Maschine erstmals zu. Empfänger ist für einmal nicht das Verteidigungsdepartement. Dieses führt bereits 59 Pilatus-Flugzeuge in seinem Inventar, allesamt militärische Maschinen, von den alten PC-6 für die Fallschirmspringer bis zu den modernen Kampfjet-Trainern PC-21. Den jüngsten Zugang verzeichnete die Luftwaffe, als sie 2012 die PC-21-Staffel auf acht Stück aufstockte. Mit dem PC-12, den der Bund nun kauft, werden hingegen in erster Linie Angestellte des Bundesamts für Zivilluftfahrt (Bazl) unterwegs sein, wie der Kommunikationsverantwortliche Urs Holderegger bestätigt. Das Amt betreibt eine eigene Flotte von sechs Flugzeugen und drei Helikoptern, die in Bern-Belp stationiert sind.

Neue Maschinen für Bundesinspektoren

«Das Bazl braucht für seine Aufsichtstätigkeit über die Luftfahrt qualifizierte Leute. Dazu gehören Piloten, die ihren Trainings- und Ausbildungsstandard erhalten müssen und darum Flugerfahrung brauchen», sagt Holderegger. Zudem fliegen die Inspektoren mit den Bazl-Flugzeugen manchmal von einem Betrieb zum anderen, wenn sich das mit ihrem Trainingsplan kombinieren lässt. Die bisherige Bazl-Flotte sei mit über 30 Jahre alten Fluggeräten in die Jahre gekommen, sagt Holder­egger: «Wir brauchen neue Flugzeuge mit Glascockpit und modernen Navigationsanlagen.» Nun erneuert und verkleinert das Bazl die Flotte: «Die sechs bestehenden Flächenflugzeuge werden durch vier neue abgelöst, für die bisher drei Helikopter kaufen wir zwei neue», sagt Holderegger. Die alten Maschinen würden verkauft. Wie viel die Flottenerneuerung kostet, ist offen. Noch laufen die Verhandlungen über die konkreten Kaufverträge unter Führung der Armasuisse, des Rüstungsbetriebs des Bundes.

Zu klären ist etwa, ob das Bazl einen nigelnagelneuen PC-12 NG – Basispreis rund 4 Millionen Franken – oder ob es mit einer Vorführmaschine mit Preisabschlag vorlieb nehmen muss. Weiter kauft der Bund zwei kleine einmotorige Flugzeuge beim amerikanischen Hersteller Cirrus, die österreichische Firma Diamond liefert ein zweimotoriges Flugzeug. Die neuen Maschinen seien deutlich günstiger in Unterhalt und Betrieb, sagt Holderegger. Sie sollen 2018 im Dienst des Bundes abheben, die neuen Helikopter dürften schon im kommenden Jahr zur Verfügung stehen.

Pilatus erfreut über Zuschlag

Bei Pilatus ist der Kaufentscheid des Bundes gut angekommen. «Die Pilatus Flugzeugwerke AG ist hoch erfreut», sagt Jérôme Zbinden, Assistent von Ver­waltungsratspräsident Oscar J. Schwenk. «Für Pilatus war es essentiell, dass das Bazl schlussendlich auf ein Schweizer Produkt setzt», sagt Zbinden. Pilatus habe darum mehrere Varianten zu verschiedenen Preisen unterbreitet. Das Bazl begründet den Zuschlag damit, das Angebot von Pilatus habe die «spezifischen Anforderungen» am besten erfüllt. Weil das Flugzeug für das Bazl reserviert ist, besteht kaum Gefahr, dass der Bundesrat seinen Jet Falcon 900 EX in Zukunft zu Gunsten des PC-12 stehen lässt. Ohnehin bietet die Falcon mit bis zu 14 Reisenden und maximal 8400 Kilometern Reichweite mehr Flexibilität als das Propellerflugzeug PC-12, das mit maximal 9 Passagieren und 3500 Kilometern Reichweite deutlicher kleiner ist. Ausserdem hat der Bundesrat längst ein Auge auf die neuste Entwicklung aus Stans geworfen: Bundesrat Ueli Maurer verkündete 2014 beim Erstflug des PC-24, dass die Landesregierung künftig in diesem ersten Business-Jet aus dem Stanser Flugzeugwerk um die Welt reisen werde.

84 Stück hat Pilatus bereits verkauft, die Produktion ist bis 2019 ausgebucht. Der Bundesrat soll seinen neuen PC-24, der nicht etwa die Falcon, sondern eine Cessna ersetzen wird, im Sommer 2018 in Empfang nehmen. Jener Auftrag wurde entgegen dem jüngsten des Bazl nicht öffentlich ausgeschrieben: Der Lufttransportdienst des Bundes ist von den einschlägigen Vorschriften ausgenommen.

Fabian Fellmann


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