Bund will einfachere Bewilligungsverfahren für Drohnen in der Landwirtschaft

SCHWEIZ ⋅ Mit Drohnen könnten Pflanzenschutzmittel künftig einfacher und gezielter versprüht werden. Das würde auch die Umwelt schonen. Der Bund will nun die Hürden für den Einsatz der fliegenden Helfer senken.
31. März 2018, 20:35

Maja Briner

Noch mutet es seltsam an, wenn eine Drohne über Rebberge oder Felder fliegt und die Arbeit des Bauern erledigt. Doch das geschieht bereits: Drohnen schwirren zum Beispiel über Maisfelder und werfen dort Kugeln ab, die mit Schlupfwespen gefüllt sind. Diese vernichten die Eier des Maiszünslers, einem bedeutenden Schädling. Bereits seit 2012 ist diese von der Agrargenossenschaft Fenaco und einem Partnerunternehmen entwickelte Technik im Einsatz. Jedes Jahr verbreite sie sich etwas mehr, sagt Fenaco-Sprecherin Alice Chalupny. 2017 wurden in der Schweiz und im grenznahen Ausland 13000 Hektaren Mais so behandelt. Das entspricht der Fläche von 18200 Fussballfeldern.

Für Bauern gibt es vor allem einen Vorteil: «Die Zeitersparnis ist enorm», sagt Chalupny. Bislang setzt Fenaco Drohnen aber nur zum Ausbringen von Schlupfwespen ein. Firmen wie Agro Fly oder Agrair nutzen die kleinen Flieger dagegen auch, um Pestizide zu spritzen.

Bund prüft neue Regelung

Nun reagiert der Bund auf den Trend: Er will das Bewilligungsverfahren vereinfachen. Das kündigte er kürzlich in einem Rundschreiben an. Heute sind die Hürden hoch: Wer aus der Luft Pflanzenschutzmittel oder Dünger spritzen will, braucht eine Bewilligung des Bundes – ausser es handelt sich um Organismen wie Schlupfwespen. Das Zulassungsverfahren ist relativ aufwendig, zudem gilt die Bewilligung jeweils nur für eine zuvor angemeldete Anzahl Anwendungen auf einer bestimmten Fläche.

«Die heutige rechtliche Grundlage ist auf Helikopter ausgerichtet», sagt Agroscope-Forscher Pierre-Henri Dubuis. Der Bund will für Drohnen nun eine eigene Regelung ausarbeiten. Diese könnte so aussehen: Der Bund würde gewisse Drohnen­typen für Pestizid-Einsätze zulassen. Um diese zu nutzen, müssten Bauern und andere Anwender eine Bewilligung beantragen. Diese würde im Rahmen eines vereinfachten Verfahrens erteilt.

Ändern will der Bund zudem die Sicherheitsabstände zu Flüssen, Bächen und Gebäuden. Auch diese sind heute den Helikoptern angepasst. «Da Drohnen viel weniger Abdrift verursachen, dürften kleinere Abstände reichen», sagt Dubuis. Die Agrarforschungsanstalt Agroscope will dazu diesen Sommer Versuche durchführen. Bis Ende Jahr sollen die neuen Drohnen-Regeln feststehen.

Fenaco-Sprecherin Alice Chalupny hält ein vereinfachtes Bewilligungsverfahren für sinnvoll. «Wenn bei Kulturen die Schadschwellen überschritten wurden, muss man schnell reagieren können», sagt sie. Wichtig sei aber, dass die Drohnen­piloten vorgängig eine Ausbildung absolvierten, vergleichbar mit einer Fahrschule. «Es muss sichergestellt sein, dass die chemischen Pflanzenschutzmittel dort ausgebracht werden, wo sie sollten», betont sie.

Viele Hoffnungen – aber auch Fragezeichen

Doch was bringt die neue Technik den Bauern überhaupt? Francis Egger, beim Bauernverband zuständig für Digitalisierung, sieht einiges Potenzial. «Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – biologischen wie chemischen – können Drohnen zahlreiche Vorteile bringen, etwa indem die Auswirkung auf den Boden verringert oder Helikopter-Flüge ersetzt werden», sagt er. In Zukunft, so hofft Egger, sollen dadurch deutlich weniger Pflanzenschutzmittel benötigt werden. «Statt ein ganzes Feld mit Herbiziden zu besprühen, können dank Drohnen die erkrankten Pflanzen gefunden und gezielt behandelt werden.» Die Technik mache es auch möglich, mehrmals kleine Mengen zu applizieren.

Noch ist ein breiter Einsatz der fliegenden Helfer Zukunftsmusik. Aber Egger sagt: «Wir sind am Ende einer Experimentierphase. In den nächsten Jahren wird sich hier einiges tun.» Zurückhaltender äussert sich Forscher Dubuis. Wie erfolgreich Drohnen sein werden, hänge vom Kosten-Nutzen-Verhältnis ab, sagt er. Wie dieses in einigen Jahren aussehe, sei noch offen. Ein zweiter wichtiger Faktor ist laut Dubuis die Zuverlässigkeit. «Drohnen mit ihren komplexen elektronischen Systemen sind weniger robust als Traktoren», gibt er zu bedenken. «Die Bauern sind aber darauf angewiesen, dass ihre Geräte dann funktionieren, wenn sie diese brauchen.»


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