Burkhalter setzt auf Paris-Botschafter

SPITZENBEAMTER ⋅ Die Ernennung des Nachfolgers von Staatssekretär Yves Rossier steht kurz bevor. In der Pole-Position steht Bernardino Regazzoni.
24. September 2016, 22:08

Bereits am kommenden Freitag soll es so weit sein: Der Bundesrat entscheidet über die Nachfolge von Yves Rossier, der sein Amt als Staatssekretär, die Nummer zwei im Aussendepartement EDA, per Ende Jahr niedergelegt hat – mehr oder weniger freiwillig, wie in Bern gemunkelt wird. Gemäss Recherchen der «Zentralschweiz am Sonntag» will Aussenminister Didier Burkhalter dem Bundesrat den Tessiner Bernardino Regazzoni für den prestigeträchtigen Job im Aussendepartement vorschlagen.

Der 59-jährige Doktor der Philosophie ist zurzeit Botschafter in Paris. Er beriet unter anderem den damaligen Aussenmi­nister Joseph Deiss in diploma­tischen Angelegenheiten und war Postenchef in Sri Lanka sowie Indonesien. Regazzoni ist so ziemlich das Gegenprogramm zum forschen, extrovertierten Freiburger Rossier: Er gilt als blass und profillos – ein Diplomat alter Schule, der einst in einem Interview mit Radio SRF sagte: «Dienen und verschwinden – das ist eine gute Maxime.» Möglich ist allerdings auch, dass es am Ende doch noch eine Frau schafft. An zweiter Stelle der Liste figuriert der Name von Livia Leu.

Die 55-jährige Bündnerin, ehemals Schweizer Botschafterin im Iran, ist zurzeit Leiterin Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen und Delegierte des Bundesrats für Handelsverträge. Sie ist international wie national sehr beliebt: Für ihre diplomatischen Bemühungen im Iran wurde sie mit dem «Common Ground Award» geehrt, und Aussenpolitiker im eigenen Land sind voll des Lobes über ihr En­gagement. «Sie ist eine extrem kompetente Person», sagt SP-Aussenpolitiker Carlo Somma­ruga. Und CVP-Aussenpolitikerin Kathy Riklin sagt: «Ich hoffe, eine Frau wird Staatssekretärin.»

Im Gespräch soll auch Roberto Balzaretti sein, Chef der Direktion für Völkerrecht. Der 51-jährige Tessiner hat als Kabinettschef von Micheline Calmy-Rey Karriere gemacht und gilt als schneller und strategischer Denker, der auch mal mit spitzer Zunge sprechen kann. Als früherer Botschafter der Schweiz bei der Europäischen Union bis diesen Sommer kennt er das aktuell wichtigste aussenpolitische Dossier bestens. Allerdings soll er sich gerüchtehalber selbst aus dem Rennen genommen haben.

Die übrigen Namen, die auf der von EDA-Generalsekretär Benno Bättig sowie Jacques Pitteloud, Chef der Direktion für Ressourcen, zusammengestellten Shortlist figurierten, stehen nicht mehr im Vordergrund. Thomas Greminger, stellvertretender Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit Deza, wird kaum mehr Chef­diplomat, obwohl der gebürtige Luzerner während der Ukraine-Krise 2014 im Ständigen Rat der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) erreicht hatte, dass die OSZE in der Ukraine Beobachter stationieren konnte. Auch nicht an die Spitze geschafft haben es zwei Frauen: Pascale Baeriswyl (48), Vizedirektorin der Direktion für Völkerrecht, sowie Christine Schraner Burgener (52), Botschafterin in Berlin. Sie wurden als zu jung beziehungsweise zu wenig erfahren taxiert.

Dass es rasch vorwärtsgehen soll mit der Ernennung des neuen Staatssekretärs, begrüsst Rino Büchel, SVP-Nationalrat und Präsident der Aussenpolitischen Kommission. «Wir verlangten eine raschere Gangart, als es zunächst hiess, man lasse sich bis nächsten Sommer damit Zeit.» Burkhalter habe auf Druck der Parlamentarier zugesichert, die Stelle sofort auszuschreiben und rasch neu zu besetzen.

Eva Novak, Fabian Fellmann


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