Das Ferienhäuschen im Ausland kann zur Steuerfalle werden

DATENAUSTAUSCH ⋅ Schon bald erfahren die Schweizer Steuerbehörden, wenn Inländer im Ausland Vermögen besitzen. Wer seine Ferienwohnung vor dem Steueramt verheimlicht, muss mit höheren Steuerrechnungen rechnen.

06. Oktober 2016, 05:00

Wenn die Steuerämter in fast hundert Ländern damit beginnen, Daten über Einkommen und Vermögen auszutauschen (siehe Infobox), bringt das begüterte Schweizer Steuerhinterzieher kaum aus der Ruhe. «Die wenigen Hardcore-Hinterzieher sind schon vor einiger Zeit weitergezogen. In den Partnerstaaten des internationalen Datenaustausches halten wohlhabende Schweizer wenige Konten – vor allem keine unversteuerten», sagt Alexander Rabian, Partner bei den Zürcher Streichenberger Anwälten. «Wirklich Wohlhabende wird der Datenaustausch nicht treffen.»

Er glaubt ohnehin, die meisten Steuerhinterzieher hätten die seit sechs Jahren gültige kleine Steueramnestie genutzt, um reinen Tisch zu machen. Etwa 22 000 reuige Steuersünder haben sich bisher nach Angaben der Eidgenössischen Steuerverwaltung bis zum Frühling selber angezeigt. Sie offenbarten Vermögenswerte von stolzen 24,7 Milliarden Franken, die sie vorher im Ausland vor dem Fiskus versteckt hatten (Ausgabe vom 30. September).

Häuser in Italien, Spanien und Portugal

Wen trifft der aufwendige grenzüberschreitende Steuerdaten-Austausch dann? Rabian: «Opfer werden in erster Linie hier lebende Ausländer sein. Solche, die in ihren Herkunftsländern ein oder zwei kleinere Konti unterhalten, die der Bewirtschaftung der dortigen Liegenschaften dienen und die sie in ihrer Schweizer Steuererklärung nicht erwähnt haben.» Vor allem in Italien, Spanien und Portugal stehen Häuser, die Leuten gehören, die in der Schweiz steuerpflichtig sind.

Doch nicht nur Steuerpflichtige mit ausländischen Wurzeln müssen mit Folgen rechnen, wenn die Steuerbehörde nichts von ihrer Immobilie im Ausland weiss. Auch Schweizern mit undeklarierten Ferienhäusern und -wohnungen kommen die Steuerämter dank dem Informationsmaterial der ausländischen Banken auf die Schliche. Ob Ausländer oder Schweizer, spielt bei der Besteuerung auch von Vermögen und Einkommen im Ausland keine Rolle. Für beide gelten die gleichen Regeln. «Wichtig ist einzig die steuerliche Ansässigkeit in der Schweiz», sagt Roland A. Pfister vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern.

Immobilienbesitz steht zwar beim automatischen Informationsaustausch nicht im Vordergrund. Bei ihm dreht sich alles um Konti und Wertschriftendepots. Daten über Grundstückbesitze werden zwischen den Ländern denn auch nicht ausgetauscht. Trotzdem stossen die Steuerämter künftig leicht auf verheimlichte Immobilien. «Bei einem Konto im Ausland ist der Link zu einer Liegenschaft für einen Schweizer Steuerkommissär schnell hergestellt. Denn in der Regel braucht ein Hausbesitzer ein Konto, um darüber Zahlungen für die Immobilie abzuwickeln», sagt Stefan Wigger, Steuerexperte beim Beratungsunternehmen Balmer-Etienne.

Die Ergänzungsleistungen gehen verloren

Viele der Ferienhausbesitzer handeln durchaus in gutem Glauben. Denn sie versteuern in den Standortländern ihren Immobilienbesitz sowie allfälligen Mieterträge daraus – im Glauben, damit ihrer Steuerpflicht nachgekommen zu sein. Doch sie müssen ihren Auslandbesitz auch hier deklarieren. «Für die Schweizer Steuererklärung gilt das Prinzip, dass das weltweite Vermögen und Einkommen besteuert wird. Ausländische Immobilien sind zwar in der Schweiz nicht zu versteuern. Doch die Steuerbehörden berücksichtigen sie für die Satzbestimmung», erklärt Wigger. Das kann durchaus ins Geld gehen. Denn eine neue Satzbestimmung mündet oft in einer höheren Progression, in der die Tarife höher und die Steuerrechnungen teurer ausfallen. Zumal der höhere Satz bei ertappten Steuersündern für zehn Jahre rückwirkend angerechnet und Verzugszinsen sowie eine Busse hinzukommen. Erben von nicht deklarierten Ausland-Immobilien kommen mit drei Jahren rückwirkender Bezahlung davon.

Wer finanziell schlecht dasteht und Sozialleistungen wie Ergänzungsleistungen, Krankenkassenverbilligung oder Sozialhilfe bezieht, kommt noch mehr in die Klemme, wenn die Wohnortsgemeinde von der Auslandimmobilie erfährt. Selbst dann, wenn es sich bloss um ein windschiefes Hüttchen irgendwo entlegen im Süden Italiens handelt. Sozialversicherungsfachfrau Ruth Stadelmann von Balmer-Etienne: «Sozialleistungen fliessen nur, wenn Vermögen und Einkommen bestimmte Grenzen nicht übersteigen. Falls ausländisches Vermögen fälschlicherweise nicht angegeben worden ist, hat dies fatale Folgen. Zu viel ausbezahlte Ergänzungsleistungen müssten allenfalls zurückbezahlt werden.» Pfister von IFZ warnt davor, sich darauf zu verlassen, die Sozialämter würden nicht erfahren, was die Steuerämter herausgefunden haben. «Schweizerische Steuerbehörden neigen zunehmend dazu, sich mit den anderen Behörden abzusprechen, wodurch auch die Sozialämter informiert werden», so Pfister.

Selbstanzeige noch in diesem Jahr

Balmer-Etienne rät Besitzern von nicht deklarierten Ausland-Immobilien, eine straflose Selbstanzeige im Steueramt der Wohngemeinde einzureichen. Allzu viel Zeit sollte man sich damit nicht mehr lassen. Steuerfachmann Jerema Bulban von der Luzerner Kantonalbank: «Ich empfehle, die Steuersituation noch in diesem Jahr zu bereinigen. In der Schweiz können Steuerpflichtige einmal im Leben eine straflose Selbstanzeige machen und müssen zwar Nachsteuern, aber keine Busse bezahlen.» Pfister vom IFZ sagt: «Es ist wichtig, zu verstehen, dass die Welt steuertransparenter wird. Es empfiehlt sich daher, die Vermögenssituation steuerkonform auszugestalten, damit das Steuerrisiko tief gehalten wird.»

Rainer Rickenbach

 

Datenaustausch startet am 1. Januar 2018

Der automatische Informationsaustausch wird in der Schweiz auf den 1. Januar 2018 eingeführt. Ab dann liefern Banken die Daten ihrer ausländischen Kunden, die das Steuerjahr 2017 betreffen, an die nationalen Steuerverwaltungen von deren Heimatländern. Viele der benachbarten Länder liefern allerdings bereits 2017 die ersten Daten. 

Beteiligt an dieser aufwendigen Übung sind alle EU-Länder sowie nebst der Schweiz rund 70 weitere Länder. Nicht klar ist, ob sich die USA daran beteiligen. In der Schweiz liefert die Eidgenössische Steuerverwaltung die erhaltenen Daten über die Kantone an die Gemeinden weiter. Es dürfte aber einige Zeit dauern, ehe der Datenaustausch für Steuerhinterzieher Folgen hat, denn die Datenmenge ist enorm gross.


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