Doktorendebatte geht erneut los

BILDUNG ⋅ Universitäten und Fachhochschulen müssten sich wieder stärker voneinander abgrenzen, fordert eine breite Koalition von Parlamentariern. Der Titelstreit geht damit in eine neue Runde.

19. März 2017, 08:19

Die Grenzen zwischen Fachhochschulen und Universitäten verschwimmen zunehmend. «Auf beiden Seiten gibt es je länger, desto mehr eine Verwässerung», sagt die CVP-Nationalrätin Andrea Gmür.

In einem in dieser Woche eingereichten Postulat verlangt die Luzerner Bildungspolitikerin: «Der Trend zur Angleichung der Hochschultypen und Akademisierung ist zu stoppen.» Umstritten sind etwa Bemühungen der Fachhochschulen, Doktoratslehrgänge anzubieten. Es gehe ihr generell darum, dass Lehre und Forschung auch künftig an Universitäten und Fachhochschulen klar unterscheidbar sind; je zugeschnitten auf die Studierenden mit gymnasialer Matura oder Berufsmaturität, betont Gmür, die Mitglied des Rats der Universität Luzern ist. Die Durchlässigkeit solle dabei erhalten bleiben.

Fachhochschulen müssten praxisorientiert bleiben, die Universitäten hingegen seien theoretisch-analytisch geprägt. «Die Angleichung ist ein Verlust», sagt Gmür. Doktorate etwa seien Teil einer akademischen Karriere und müssten den Universitäten vorbehalten bleiben. Bei den Professorentiteln verlangt sie mehr Transparenz: «Ich habe Mühe damit, wenn Universitätsprofessoren ein Doktorat und eine Habilitation vorweisen müssen, während Fachhochschulen den Titel schon nach drei Jahren Lehrtätigkeit vergeben.» Zumindest müssten Professorentitel von Fachhochschulen als solche erkennbar sein.

Gmür sagt, sie wolle die Hochschulen nicht gegeneinander ausspielen. «Beide sind gut und wichtig, gleichwertig, aber andersartig.» Auch Kooperationen seien willkommen. So sollten Universitäten und Fachhochschulen gemeinsame Doktorats­angebote schaffen, wobei die Universitäten die Führung haben müssten.

Bundesrat soll Profile schärfen

Der Bundesrat sei jetzt gefordert, sagt Nationalrätin Gmür. Er soll laut Postulat die Profile, Titelbezeichnungen und Zugangskriterien von universitären und Fachhochschulen schärfen. Mitunterzeichnet haben Vertreter sämtlicher Fraktionen, von SVP-Präsident Albert Rösti über CVP-Chef Gerhard Pfister und den liberalen Basler Bildungspolitiker Christoph Eymann bis zur SP. Ähnliche Forderungen erhebt auch der Wirtschaftsverband Economiesuisse.

Die Fachhochschulen streben seit Jahren eigene Promotionsgänge an. Vorerst bleibt es jedoch bei Kooperationen. Diese unterstützt der Bund in den nächsten vier Jahren mit 5 Millionen Franken.

 

Fabian Fellmann


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