Gmür will Transparenz bei Gymis

BILDUNG ⋅ Welche Gymnasien bringen erfolgreiche Studenten hervor? Die Daten liegen bereit, doch die Kantone müssen sie nicht publizieren. Nationalrätin Andrea Gmür will das ändern.
06. September 2016, 05:00

Kari Kälin

Die Fakten wären bekannt. Wenn die Kantone wollen, können sie herausfinden, welche Maturanden aus welchen Gymnasien ein Hochschulstudium erfolgreich abschliessen. Das Bundesamt für Statistik (BFS) stellt die Daten den Kantonen zwar nicht automatisch, aber auf Anfrage zur Verfügung. Dies schreibt der Bundesrat in einer Antwort auf einen Vorstoss der Luzerner CVP-Nationalrätin Andrea Gmür.

Hinweise auf Fehlentwicklungen

Das BFS selber analysiert die Daten nicht. Die Kantone seien am besten dafür geeignet, so der Bundesrat. Bis jetzt erkundigte sich laut BFS allerdings noch kein Kanton nach Daten über den Studienerfolg der Maturanden. Dabei hätten es die Angaben in sich. Man könnte etwa erfahren, welche Gymnasien erfolgreiche Studenten besucht haben – oder welche Schulen besonders viele Studienabbrecher produzieren. Gmür kann nicht verstehen, dass das Datenmaterial ungenutzt vor sich hinschlummert. «Es braucht längerfristig eine öffentliche Auswertung», sagt die ehemalige Gymnasiallehrerin. Damit erhielten Schulen zum Beispiel Hinweise auf Mängel und Fehlentwicklungen.

Gmür schwebt vor, die Daten zu den einzelnen Mittelschulen alle fünf Jahre zu publizieren. Sie wolle kein Rating, um Gymnasien an den Pranger zu stellen, sagt Gmür. Sie glaubt aber, dass man dank Transparenz bei Schulen Mängel und Fehlentwicklungen aufdecken kann. Und: «Die Schulen müssen wissen, wie viele ihrer Abgänger nach wie vielen Jahren ein Studium beginnen und mit Erfolg abschliessen.» Die Bildungspolitikerin prüft einen weiteren Vorstoss. Darin würde sie den Bundesrat auffordern, den Kantonen mit Nachdruck zu empfehlen, die Daten zum Studienverlauf nach Gymnasium auszuwerten.

Einfluss soll zweitrangig sein

Bis 2009 stellte das BFS den Gymnasien die Angaben zum universitären Erfolg ihrer Maturanden automatisch zur Verfügung. Öffentliche Rankings gab es keine, auch wussten die einzelnen Gymnasien wegen des Datenschutzes nicht, wie gut sich Maturaabgänger anderer Schulen an der Universität schlugen. Nach einem Systemwechsel – neu wird auch der Studienerfolg an den Fachhochschulen und den Pädagogischen Hochschulen gemessen – verfügt das BFS wieder über detaillierte Angaben zum Bildungsverlauf von Studenten. Das BFS verzichtet jedoch auf eine Auswertung nach Gymnasien. Der Einfluss des Herkunftsgymnasiums auf den Studienerfolg sei zweitrangig, sagt Katrin Holenstein, Chefin der Sektion Bildungsprozesse beim BFS. «Will man trotzdem den Studienerfolg nach Gymnasium untersuchen, so ist die Kenntnis der kantonspezifischen Bildungslandschaft und der Gymnasien, zum Beispiel das Angebot an Schwerpunktfächern, eine wichtige Voraussetzung, damit man nicht Äpfel und Birnen vergleicht.»

Keine Notwendigkeit für Rankings sieht der Verband Schweizerischer Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer (VSG). «Sie verursachen politisch kurzfristig einen grossen Aufruhr, zeigen aber langfristig überhaupt keine Wirkung», sagt VSG-Vizepräsidentin Gisela Meyer Stüssi. Das grosse Problem seien derzeit ohnehin die Budgetkürzungen bei den Mittelschulen.

«Im Moment falsch»

Auch Aldo Magno, Leiter Dienststelle Gymnasialbildung des Kantons Luzern, lehnt Rankings ab. «Das ist im Moment falsch, weil der Studienerfolg ein komplexer Indikator ist», sagt er. Der Studienerfolg hänge massgeblich von den Qualitätsansprüchen einer Hochschule und der Zusammensetzung der Studenten ab. «Es könnte ja zum Beispiel sein, dass verhältnismässig viele Studenten von einer Kantonschule ein ‹leichtes› Studium wählen und dann abschliessen. An einer anderen Kanti aber entscheiden sich sehr viele für eine andere Studienrichtung und fallieren», so Magno. Die Dienststelle werde aber die Daten, welche das BFS den Kantonen für diesen Herbst in Aussicht gestellt habe, auswerten. Falls möglich, werde man sie den Schulleitungen auch für interne Zwecke – zur Qualitätsverbesserung – zur Verfügung stellen. Eine Art öffentliche Rangliste zum Studienerfolg nach Gymnasium plant der Kanton Luzern derzeit nicht. Wenn sich aber nach einigen Jahren zeigen würde, dass die Daten über die einzelnen Gymnasien aussagekräftig seien, spreche nichts dagegen, so Magno.

ETH-Ranking sorgte für Wirbel

Die Diskussion um Rankings und die Qualität an Mittelschulen ist nicht neu. 2009 wirbelte die ETH Zürich mit einer Studie viel Staub auf. Aufgeschlüsselt nach Schulen zeigte sie auf, wie erfolgreich Maturaabgänger das erste Studienjahr an der ETH beendeten. Isabelle Chassot, damals Präsidentin der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK), lehnte Rankings rundum ab. Sie seien nicht nötig zur politischen Steuerung des Systems. Der frühere Zürcher Erziehungsdirektor Ernst ­Buschor hingegen plädierte öffentlich für Rankings: «Die Jugendlichen und die Eltern sollten wissen, welche Mittelschule am besten fürs Hochschulstudium vorbereitet.»


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