Jeder zwanzigste Schweizer steckt in der Schuldenfalle

KONJUNKTUR ⋅ Mehr als jeder zwanzigste Einwohner der Schweiz hat Schulden, die er nicht bedient hat. Auffallend ist, dass in den Städten in der Regel mehr Schuldner wohnen als auf dem Land.

30. März 2016, 11:29

Zudem ist die Schuldnerquote in Kantonen mit einer hohen Arbeitslosigkeit höher, wie der Wirtschaftsinformationsdienst CRIF (ehemals Orell Füssli Wirtschaftsinformationen) am Mittwoch zu seiner Erhebung mitteilte. Die Erhebung erfasst Personen mit Betreibungen ab dem Fortsetzungsbegehren, Konkursen und Verlustscheinen.

Genau beträgt die Schuldnerquote für die ganze Schweiz 5,3 Prozent. Das ist leicht tiefer als 2015, als noch 5,5 Prozent der Bevölkerung die Kriterien erfüllten. Grund ist die wachsende Bevölkerung, denn die absolute Zahl der Schuldnerinnen und Schuldner stieg von 438'233 auf 441'706.

Rote Laterne für Kantone Genf und Neuenburg

Unter den einzelnen Kantonen bestehen dabei grosse Unterschiede. Die schlechtesten Schuldner wohnen mit 8,7 Prozent an Nichtzahlern in den Kantonen Neuenburg und Genf. Auf den weiteren Plätzen folgen Basel-Stadt mit 7,3 und die Waadt mit 6,9 Prozent. Positiv entwickelte sich die Zahlungsbereitschaft oder -fähigkeit im Tessin, wo die Schuldenquote auf 6,4 Prozent sank.

Generell geht eine höhere Arbeitslosigkeit mit einer höheren Schuldnerquote einher. So erreichte die Arbeitslosenquote im Erhebungsmonat Januar in Neuenburg 6,4, in Genf 5,8 in der Waadt 5,5 und in Basel 4,2 Prozent. Landesweit betrug die Quote 3,8 Prozent.

Am promptesten beglichen die Bewohner von Appenzell-Innerrhoden ihre Schulden. Verlustscheine, Konkurse oder Betreibungen hatten nur 1,3 Prozent von ihnen auf dem Kerbholz. Uri, Obwalden, Nidwalden und Zug weisen ebenfalls Schuldnerquoten unter 3 Prozent aus. Die Arbeitslosenquoten dieser Kantone lagen zwischen 1,1 und 2,6 Prozent.

Schuldnermetropole La Chaux-de-Fonds

Allgemein ist die Schuldnerquote in den Städten höher als in den ländlichen Gebieten und höher als im kantonalen Umfeld. Schuldenhauptstadt der Schweiz ist La Chaux-de-Fonds, dessen Quote von 11,3 Prozent den Neuenburger Schnitt von 8,7 Prozent deutlich übersteigt. Biel landet mit 10,1 Prozent auf Platz Zwei, wobei der vorwiegend ländliche Kanton Bern bei 4,7 Prozent liegt.

Über Kantonsdurchschnitt liegen auch die Hauptstädte Neuenburg (9,6 Prozent/NE 6,4 Prozent), Genf (9,5), Lausanne (9,3/VD 6,9), Freiburg (9,2/FR 5,6), Basel (7,5/BS7,3), Zürich (5,2/ZH 4,5) oder St. Gallen (6,7/SG 4,7).

Ausnahmen von der Regel der höheren Quoten in den Städten gibt es auch: So liegt die Finanzmetropole Lugano mit 4,6 Prozent deutlich unter dem Tessiner Schnitt von 6,4 Prozent. Auch Thun positioniert sich mit 4,2 Prozent einen halben Prozentpunkt unter dem Mittel des Kantons. Die tiefste Schuldnerquote aller erfassten Städte hat Uster mit 3,5 Prozent bei einem zürcherischen Durchschnitt von 4,5 Prozent.

Der Wirtschaftsinformationsdienst CRIF ermittelte die Schuldenquote in diesem Jahr zum zweiten Mal anhand anhand von Informationen von 500 Unternehmen aus der ganzen Schweiz. Die Erhebung wurde am 31. Januar durchgeführt. (sda)


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