Kalorienwarnung auf Bierflasche

NÄHRWERTE ⋅ Bier enthält so viele Kalorien wie Coca-Cola. Ersichtlich ist das auf der Flasche nicht. In diesem Jahr wollen nun alle grossen Hersteller mit der Deklaration beginnen.
19. März 2017, 05:00

Fabian Fellmann

Was leicht klingt, muss es nicht sein: Nur aus Wasser, Gerstenmalz und Hopfen besteht etwa ein Bier. Doch die Kombination ist währschaft: Über 120 Kalorien enthält ein Fläschchen (3 dl) des vergorenen Gerstensafts, rund ein Zwanzigstel des Tagesbedarfs. Zwei Gläser zum Znacht – und schon setzt es an. Anders als bei Getränken und Lebensmitteln steht auf den Bierflaschen jedoch meistens nicht, wie gross die Gefahr für den Hüftumfang ist.

Das soll sich nun ändern. In dieser Woche hat der Schweizer Brauereiverband seine Mitglieder darauf aufmerksam gemacht, dass das Schweizer Recht ab dem 1. Mai 2017 explizit eine vereinfachte Etikettierung erlaubt. Statt alle Inhaltsstoffe und Nährwerte aufzuführen, können alkoholische Getränke auch nur mit dem Energiegehalt versehen werden. Bisher war die Rechtslage unklar, die meisten Biere tragen keine Nährstoffdeklaration.

Viele Schweizer Bierbrauer werden nun ihre Produkte anpassen. Feldschlösschen etwa entwirft derzeit laut Kommunikationsleiter Andreas Schmid die Etiketten. In diesem Jahr sollen die neu beschrifteten Biere in den Handel kommen. Auch Heineken wird den Energiewert auf Flaschen und Dosen abbilden; die anderen Angaben stehen auf einer Website bereit.

EU fordert Branchenlösung

Die Schweizer Brauer dürften damit einem europäischen Trend vorausgehen. In der EU hat das Parlament die Nährwertdeklaration für alkoholische Getränke schon 2015 verlangt. Umgesetzt ist sie zwar noch nicht. Die EU-Kommission hat jedoch die Getränkebranche Anfang dieser Woche aufgefordert, eine eigene, freiwillige Lösung vorzulegen. Nur falls diese scheitern sollte, würde die Kommission eine spezielle EU-Vorschrift ins Auge fassen. Auch für die Weinbranche in der Schweiz dürften sich damit ähnliche Schritte aufdrängen, zumindest für jene Hersteller, die für den Export produzieren.

«Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen verfolgt diese Diskussionen und Entwicklungen aufmerksam», heisst es dazu in Bern. Je nach Ausgang der Diskussionen würde «das Bundesamt mögliche Massnahmen prüfen».

Derzeit sieht es allerdings ganz danach aus, als ob die Bierproduzenten die freiwillige Deklaration nutzen würden, um eine staatliche Vorschrift zu verhindern, besonders internationale Konzerne. Die britische Diageo zum Beispiel weist bei Guinness heute schon die Kalorienzahl aus, die gleich hoch ist wie bei vielen deutschen Weissbieren. Je höher der Alkoholgehalt, desto problematischer sind Biere für die Linie. Mehr Geschmack hingegen bedeutet nicht unbedingt mehr Kalorien: Guinness enthält etwa gleich viel Energie wie Heineken.

Auch kleinere und mittlere Schweizer Brauereien setzen auf mehr Transparenz. «Die Brauerei Rosengarten wird alle Bierflaschen mit Kalorienangaben versehen», sagt Mitinhaber und CVP-Nationalrat Alois Gmür. Bei einigen Etiketten werde das zu einer Herausforderung. Angst, dass die Nährwertdeklaration auf den Konsum von Bier drückt, hat der Einsiedler Bierbrauer nicht.

«Weniger Kalorien als Apfelsaft»

Die Schweizerische Gesellschaft für Ernährung mahnt einen massvollen Umgang mit Bier und Wein an. Problematisch ist Alkohol vor allem wegen des Suchtpotenzials, als risikoarm gilt der Konsum von zwei Gläsern für Männer und von einem Glas für Frauen. Allerdings sind die Auswirkungen auf die Linie nicht zu vernachlässigen. «Die mit dem Konsum von alkoholischen Getränken verbundene Energieaufnahme scheint mehrheitlich ein Extra an Energie zu sein», hält die Gesellschaft fest. Dem hält Brauer Gmür entgegen, das gelte für alle Getränke: «Bier enthält immer noch weniger Kalorien als Apfelsaft.»


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