Mit Polizeihunden gegen Grapscher

SICHERHEIT ⋅ Eine speziell ausgebildete Hundeführer-Staffel mit Hunderten von Tieren soll Übergriffe wie in Köln verhindern. Das fordert der Verein «Sicherheit für alle». Polizisten sind skeptisch.

07. Februar 2016, 00:00

Eva Novak

Es geschah am Rande der SVP-Kadertagung in Bad Horn, als ein ehemaliger Basler Polizist über die Ohnmacht seiner deutschen Kollegen in der Silvesternacht referierte. Da kam Ulrich Schlüer und Anian Liebrand vom Verein «Sifa – Sicherheit für alle» die Idee, wie künftig zu verhindern wäre, dass es bei Massenansammlungen zu Gewaltakten wie in Köln kommt, wo Hunderte von Frauen attackiert wurden und die Polizei nichts dagegen unternehmen konnte: nämlich mit speziell ausgebildeten Hundeführer-Einheiten.

«Wenn einige hundert Mann mit ihren Hunden aufmarschieren, dann ist relativ schnell Ruhe», gibt sich Liebrand überzeugt. Schliesslich seien die Tiere darauf abgerichtet, Täter zu packen und in die Flucht zu schlagen, sagt der Luzerner, der soeben als Präsident der Jungen SVP zurückgetreten ist und sich nunmehr stärker im Vorstand der Sifa engagiert. Und Sifa-Geschäftsführer Schlüer zweifelt nicht daran: «Wenn in Köln eine solche Einheit von mehreren Seiten gekommen wäre, dann wäre der Platz innert kürzester Zeit geräumt gewesen.»

«Sofort unter Kontrolle»

Im neusten «Blaulicht» – dem Newsletter der Sifa – wird denn auch die Forderung aufgestellt, die grossen Polizeikorps namentlich in den Städten unverzüglich mit grösseren Hundeführer-Einheiten zu verstärken. «Sehen sich rohe, bandenmässig auftretende, gegenüber wehrlosen Frauen zu allem bereite Gewalttäter plötzlich einer trainierten Hundeführer-Einheit gegenüber, dürfte jeder Angriff sofort in sich zusammenfallen», steht da. Vorfälle wie in Köln könnten mit Hilfe einer solchen Hundeführer-Polizeieinheit «sofort unter Kontrolle gebracht werden».

Wichtig sei eine gute Ausbildung von Polizist und Hund, betont Schlüer. Und eine gewisse Grösse: Um die gewünschte Wirkung zu erzielen, brauche es eine Hundeführer-Einheit von einigen hundert Mann, welche die Kantone zum Beispiel im Rahmen eines Konkordats aufstellen könnten. Entsprechende Vorstösse wollen die Sifa-Verantwortlichen in den Kantonen lancieren, wie Liebrand ankündigt. Bei den Sicherheitsverantwortlichen in den Städten hält sich die Freude darüber allerdings in Grenzen. Der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause erinnert daran, dass es landesweit einen Unterbestand an zivilen Sicherheitskräften gebe, und folgert daraus: «Zuerst geht es darum, überhaupt genügend Polizisten zu bekommen – erst dann kann man daran denken, ihnen eine Leine mit einem Hund am anderen Ende in die Hand zu drücken.»

Zürich winkt ab

Wenig Begeisterung löst der Vorschlag auch in Zürich aus. «Woher will man in einer Stadt eine Hundestaffel mit mehreren hundert Mann nehmen? Das ist völlig illusorisch», sagt Stadtpolizei-Sprecher Marco Bisa – und weist darauf hin, dass in Zürich bereits rund 30 Diensthunde im Einsatz stünden. Derweil Georges Dumont, der stellvertretende Kommandant der Luzerner Polizei, die Antwort auf die Frage nach Sinn oder Unsinn grosser Hundestaffeln diplomatisch umschifft, indem er feststellt, die Luzerner Polizei verfüge zwar über eine Sondergruppe mit Hunden. An einem Fest wie der Fastnacht spielten diese aber nur eine sekundäre Rolle. Das sei auch gut so, findet Jörg Guggisberg. Als interimistischer Präsident des Schweizerischen Polizeihundeführer-Verbandes (SPV) und stellvertretender Chef Diensthundewesen der Kantonspolizei Zürich weiss er um die präventive Wirkung der rund 560 Diensthunde, die es in der Schweiz bereits gibt. Diese seien zum Beispiel sehr nützlich, wenn es einen Einbrecher abzuschrecken oder Personen oder Drogen aufzuspüren gelte. Bei Ereignissen wie beim Jahreswechsel in Köln jedoch seien sie nicht so gut geeignet: «Wenn es eine Zusammenrottung in einem solchen Ausmass gibt, ist der Hund wahrscheinlich fehl am Platz.» Denn die Gefahr, dass Menschen verletzt werden könnten, sei zu gross. Deshalb setze man etwa bei gewalttätigen Ausschreitungen, wie sie etwa in Zürich regelmässig am 1. Mai begangen werden, keine Hunde ein.

Polizeikorps aufstocken

Das Beste am Sifa-Vorschlag sei die Forderung nach einer guten Ausbildung von Hund und Führer – nur sei diese in der Schweiz bereits erfüllt. Ansonsten aber, so der oberste Hundeführer im Land, mache es mehr Sinn, generell die Polizeikorps aufzustocken. Und auf weitere Hundeführer zu verzichten.

Die Schweiz entsendet Polizeiattaché in die Türkei

Die Schweiz passt ihr Netz von Polizeiattachés im Ausland an. Im laufenden Jahr soll je ein Mitarbeiter in die Türkei und nach Tunesien entsandt werden. Das sagt Alexander Rechsteiner, Sprecher des Bundesamtes für Polizei (Fedpol). Als Grund für die Stationierung in den Mittelmeerländern nennt der Sprecher den Terrorismus und die Dschihad-Reisen auch aus der Schweiz. Noch nicht geklärt ist, ob die Polizeiattachés von einem bestehenden Standort abgezogen oder neu stationiert werden. 

Aktuell verfügt die Schweiz über ein Netz von zehn Polizeiattachés weltweit. Sie unterstützen die Schweizer Polizei- und Strafverfolgungsbehörden in der Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität. Ein Polizeiattaché stellt den Informationsfluss zwischen der Schweiz und seinem Gastland sicher und knüpft vertrauenswürdige Kontakte. Schweizer Polizeiattachés sind etwa in Brasilien, Italien, Thailand und in den USA stationiert. Je ein Fedpol-Mitarbeiter arbeitet in Lyon bei Interpol und einer in Den Haag bei Europol. Die Attachés betreuen jeweils auch einige Nachbarländer ihres Gastlandes – sogenannte Seitenakkreditierungsländer. So ist der in den USA stationierte Mitarbeiter auch für Kanada zuständig; der in Kosovo stationierte für Mazedonien, Albanien und Montenegro. Der Polizeiattaché, der in Tunesien stationiert werden soll, wird auch für Algerien zuständig sein. 

Das Fedpol entsendet seit 1995 Polizeiattachés. Der Einsatz dauert vier Jahre, mit einer Option auf eine maximal zweijährige Verlängerung. 

Sebastian Keller


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