Plötzlich brausen die Personenzüge durch den Gotthard-Basistunnel

SBB ⋅ Um Erfahrungen zu sammeln und Verspätungen im Nord-Süd-Verkehr aufzuholen, lenken die SBB bereits jetzt erste Personenzüge durch den Gotthard-Basistunnel.

28. September 2016, 05:00

Mit der Fahrplanumstellung am 11. Dezember werden die Fernverkehrszüge am Gotthard durch den neuen Gotthard-Basistunnel (GBT) verkehren. Die Fahrzeit zwischen der deutschen Schweiz und dem Tessin verkürzt sich dann dank der 57-Kilometer- Röhre um rund 30 Minuten. Allerdings kann es Fahrgästen bereits jetzt widerfahren, dass sie durch den längsten Eisenbahntunnel der Welt brausen, ohne damit gerechnet zu haben.

Dies passiert nicht nur im Rahmen geplanter Regelzüge, sondern auch um eine Verspätung aufzuholen. So geschehen etwa am vergangenen Freitagabend, wie SBB-Sprecher Reto Schärli bestätigt. Der ICN 890 von Lugano nach Zürich HB war zirka eine Stunde verspätet unterwegs, weil die Bahnstrecke vor Biasca wegen ausserordentlicher Bauarbeiten vorübergehend unterbrochen war. Der Intercity wurde schliesslich durch den Gotthard-Basistunnel umgeleitet. In Zürich kam der Zug nur mit wenig Verspätung an. Die Fahrgäste waren erstaunt.

Die SBB hatten mitgeteilt, dass ab Anfang September im Rahmen des Probebetriebs täglich, aber nur vereinzelt Regelzüge durch den Basistunnel fahren. Deren Zahl wird stetig gesteigert. «Bei grossen Verspätungen kann zudem ein zusätzlicher Regelzug durch den Basistunnel umgeleitet werden», präzisiert Schärli. Das primäre Ziel des Probebetriebs sei allerdings nicht die Reduzierung von Verspätungen, sondern das Sammeln von Erfahrungen, damit die Inbetriebnahme am 11. Dezember reibungslos klappe.

Züge im Probebetrieb fahren von Norden nach Süden

Die für den Probebetrieb vorgesehenen Regelzüge verkehren normalerweise von Norden nach Süden. Aus dem SBB-Fahrplan lässt sich aber nicht erkennen, ob ein Zug von der deutschen Schweiz in Richtung Tessin durch den Tunnel fährt. Im Zuglauf ist immer «Panoramastrecke» erwähnt, wie die Gotthard-Bergstrecke seit kurzem im SBB-Sprachgebrauch heisst.

Nach dem Start in Zürich und vor der Ankunft in Arth-Goldau wird den Fahrgästen dann per Ansage mitgeteilt, dass sie durch den neuen Basistunnel fahren und somit früher in Bellinzona ankommen. «Wer unbedingt die Panoramastrecke fahren will, kann noch umsteigen», sagt Schärli. Tatsächlich habe man feststellen können, dass einzelne Fahrgäste von dieser Möglichkeit Gebrauch machten. Für das Bundesamt für Verkehr (BAV) entspricht das Vorgehen der SBB den Vereinbarungen. «Die SBB sind nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, fahrplanmässige Züge – Güter- wie Personenzüge – vor der Inbetriebnahme durch den GBT zu führen. Dies gehört zum Probebetrieb, der am 5. September voll angelaufen ist», sagt BAV-Sprecher Gregor Saladin.

Interesse am neuen Tunnel ist sehr gross

Das Publikumsinteresse am neuen Gotthard-Basistunnel ist derweil nach wie vor gewaltig. Dies spiegelt sich in der hohen Nachfrage nach dem Angebot Gottardino. Mit einem Sonderzug fährt man dabei durch den GBT, mitsamt einem Rundgang durch die Multifunktionsstelle Sedrun, danach geht es via Bergstrecke zurück. Der Gottardino verkehrt bis zum 27. November täglich ausser montags. «Es gibt nur noch wenige freie Plätze», so Schärli. Der Andrang ist verständlich. Denn Besuche der eindrücklichen Multifunktionsstelle Sedrun werden nach Inbetriebnahme des Basistunnels nicht mehr möglich sein.

Gerhard Lob / Bellizona


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