Schweizer Ärzteschaft wird immer weiblicher

GESUNDHEIT ⋅ Die in der Schweiz berufstätige Ärzteschaft wird immer weiblicher: Vier von zehn Medizinern sind Frauen. Auch der Anteil von Ärzten mit ausländischem Diplom nimmt kontinuierlich zu: Beinahe jeder dritte Arzt stammt inzwischen aus dem Ausland.

25. März 2015, 10:39

In der Schweiz waren Ende 2014 34'348 Ärztinnen und Ärzteberufstätig - 3,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Wie schon in den Vorjahren wuchs der Frauenanteil im vergangenen Jahr stärker als jener der Männer, wie aus der am Mittwoch in der "Schweizerischen Ärztezeitung" veröffentlichten FMH-Ärztestatistik hervorgeht.

Obwohl die Männer mit 60,4 Prozent immer noch in der Überzahl sind, stieg der Frauenanteil in den vergangenen Jahren kontinuierlich an - seit 1990 durchschnittlich um 4,8 Prozent, bei den Männern lediglich um 1,2 Prozent.

Wenig Chefärztinnen

Dieser Trend wirkt sich auch auf die Altersstruktur der Ärzteschaft aus: In der Altersklasse unter 35 Jahre sind Frauen deutlich in der Überzahl. Ab 40 Jahre sind dann wieder mehr Männer als Frauen berufstätig.

Laut der Ärzteverbindung FMH ist davon auszugehen, dass sich der Frauenanteil weiter erhöhen wird. Bei den Studierenden seien Frauen in der Mehrheit.

Augenfällig ist die Verteilung der Frauen auf die verschiedenen Hierarchiestufen: Einzig auf der Stufe der Assistenzärzte überwiegt mit 57,4 Prozent der Frauenanteil, danach nimmt er laufend ab: von 43,7 Prozent bei den Oberärzten über 22,4 Prozent bei den Leitenden Ärzten bis bloss 10,9 Prozent bei den Chefärzten.

Jeder siebte Mediziner ist Deutscher

Neben dem Frauenanteil ist auch der Anteil der Ärzteschaft mit einem ausländischen Arztdiplom im Vergleich zum Vorjahr gestiegen - von 29,1 auf 30,5 Prozent. Damit stammt fast ein Drittel der in der Schweiz berufstätigen Ärztinnen und Ärzte aus dem Ausland.

Dabei variiert der Ausländeranteil je nach Region stark: Während in der Genferseeregion nur jeder vierte Arzt ein ausländisches Diplom besitzt, ist es im Tessin fast jeder Zweite.

Die grosse Mehrheit der ausländischen Mediziner stammt aus den Nachbarländern, wobei Deutschland allein die Hälfte stellt. "Das macht deutlich, dass das hohe Niveau der medizinischen Versorgung in der Schweiz einzig dank dem ausländischen Fachpersonal aufrechterhalten werden kann", schreibt die FMH.

Massnahmen gefordert

Die Ärzteverbindung fordert deshalb Massnahmen wie die weitere Erhöhung von Studienplätzen. Jährlich seien rund 1300 Abschlüsse notwendig. Der Bund müsse sich an der Finanzierung beteiligen.

Auch die heute geltenden Arbeitszeitmodelle seien zu überdenken. Um dem steigenden Frauenanteil in der Ärzteschaft und der damit zu erwartenden grösseren Nachfrage nach Teilzeitarbeit gerecht zu werden, brauche es ein Umdenken, schreibt die FMH. (sda)


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