Dick Auftragen ist nicht gesund

SONNENSCHUTZ ⋅ Die Schweizer übertreiben es mit den Sonnencrèmes. Man meint es gut und will sich vor Sonnenbrand und vor Hautkrebs schützen. Denn die UV-Filter selber sind auch nicht unbedenklich für die Gesundheit.

18. Februar 2015, 09:29

UV-Filter in Kosmetika schützen vor Sonnenstrahlung und beugen so Hautkrebs vor. Doch die Chemikalien können selbst Nebenwirkungen haben. Eine Studie zeigt nun, dass viele Menschen in der Schweiz täglich ein Vielfaches der unbedenklichen Mengen auf die Haut auftragen.

Das Team um Konrad Hungerbühler von der ETH Zürich erhob in einer repräsentativen Befragung von 1200 Deutschschweizern, welche Hautpflegeprodukte mit UV-Filtern diese wie oft anwenden. Ausserdem bestimmten die Forscher, in welchen Konzentrationen die Filter in den Produkten enthalten sind, wie die Hochschule mitteilt.

Dabei zeigte sich, dass "ein Teil der Bevölkerung problematischen UV-Filtern in gesundheitsrelevanten Mengen ausgesetzt ist", schreibt die ETH. Bedenklich sei dies vor allem bei UV-Filtern, die ähnlich wie menschliche Hormone wirken oder Allergien auslösen.

Immerhin: Der von den Befragten am häufigsten verwendete UV-Filter, Butylmethoxydibenzoylmethan, gilt für Gesundheit und Umwelt als verhältnismässig unbedenklich. Auf Platz zwei und drei folgen jedoch die umstrittenen Stoffe Ethylhexylmethoxycinnamat (EHMC) und Octocrylen.

Allergien auslösen

In der Fachliteratur berichten Ärzte seit in den letzten Jahren immer öfter, dass Octocrylen Allergien auslösen kann. Aufgrund von Forschungsdaten nahmen die Wissenschaftler an, dass die Verwendung von 4,9 beziehungsweise 14,8 Mikrogramm Octocrylen pro Quadratzentimeter Haut und Tag unproblematisch ist - abhängig von der Produktart und dem Geschlecht der Person.

Die Konsumentenbefragung zeigte jedoch, dass die Hälfte der Bevölkerung an einigen Tagen 87 und mehr Mikrogramm Octocrylen pro Quadratzentimeter Haut aufträgt. Sie überschreitet den Referenzwert also um das 5- bis 17-fache. Eine von zwanzig Personen verwendet gar 190 Mikrogramm pro Quadratzentimeter, also 12- bis 38-mal mehr.

Während sich die Mengen bei Erwachsenen unterschiedlichen Alters kaum unterscheiden, sind die Mengen bei Kindern leicht höher als bei Erwachsenen. Laut den Forschern wird Octocrylen in Sonnen- und Gesichtscremes immer häufiger eingesetzt, weil es andere UV-aktive Stoffe stabilisiert und die Produkte somit haltbarer macht.

Hormonaktive Stoffe bei Kindern

Von der zweiten untersuchten Substanz, EHMC, ist bekannt, dass sie im Körper hormonaktiv wirken kann. Während sie in Sonnencremes inzwischen meist durch weniger problematische Stoffe ersetzt worden ist, kommt sie noch immer in vielen Kosmetika vor, etwa in Make-up und Gesichtscremes.

Auch davon tragen schmieren sich manche der Befragten grosse Mengen ins Gesicht: Fünf Prozent der Bevölkerung trägt an sonnigen Tagen 0,43 Milligramm oder mehr EHMC pro Kilogramm Körpergewicht auf die Haut auf. Das ist beinahe die Hälfte eines vom dänischen Amt für Umweltschutz bestimmten Referenzwerts, ab dem die Substanz bei Labortieren hormonaktiv wirkt.

Kleinkinder sind der Substanz am stärksten ausgesetzt sind: Ein Prozent der Kinder unter vier Jahren in den befragten Familien erreicht an sonnigen Tagen mit 0,94 Milligramm oder mehr sogar beinahe den Referenzwert. "Einige Sonnenschutzprodukte, die speziell für Kinder beworben werden, enthalten EHMC", erklärte Erstautorin Eva Manová in der Mitteilung.

Die Forscher empfehlen aufgrund ihrer Resultate, die Unbedenklichkeit und Grenzwerte für Octocrylen und EHMC genauer zu evaluieren. Es sei zwar bekannt, dass diese Substanzen durch die Haut in den Körper dringen können, sagte Studienleiterin Natalie von Götz. Unklar sei jedoch noch, wie viel die Haut tatsächlich aufnimmt und was im Körper damit geschieht.

Die Resultate seien nicht leicht auf andere Länder zu übertragen, sagte Manová: "Welchen UV-aktiven Substanzen die Bevölkerung eines Landes ausgesetzt ist, hängt stark von der Marktpräsenz der Kosmetikprodukte ab." Die vorliegende, länderspezifische Arbeit wurde vom Bundesamt für Gesundheit finanziell unterstützt. (sda)


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